Lebt eigentlich Rudi Assauer noch?

Rudi AssauerJa, er lebt noch, aber er wird immer blasser. Und mit ihm verblassen all die schönen Lebensstationen: Der linke Schwenker gegen Simone Thomalla 2009 ist ihm zwar noch in ähnlich guter Erinnerung wie ihr, der Pfostenbruch vom Bökelberg 1971 hingegen schon gar kein Begriff mehr. Man kann einwenden, dass einen ehemaligen Schalke-Manager das Schicksal härter treffen kann, als an Vergessen zu »leiden«.

Eigentlich ist Alzheimer in diesem Fall sogar ein Segen. Assauer hat also wieder mal Schwein gehabt, dieser glückliche Bastard. Es sind nur die kleinen alltäglichen Dinge, die ihm ein wenig auf das Macho- Gemüt schlagen. So kann es passieren, dass seine Zigarre längere Zeit unangezündet in seinem Mundwinkel hängt, während er seine Dings schickt, Sie wissen schon, die blonde Dürre jedenfalls, hier na, um das Gelbe, Süffige aus dem kalten weißen Gerät da, och, Mensch, na, wo das Licht angeht, wenn man dieses Teil da öffnet, also was wollte er noch mal? So plätschern die Tage friedlich dahin und Rudi, der längst vergessen hat, dass er Rudolf heißt und von seinen Vertrauten zärtlich »Assi« gerufen wird, merkt nur daran, dass ein Tag dem anderen freundlich die Klinke in die Hand drückt, dass sein Konto genau so wie sein Gehirn langsam zerfressen, Quatsch, mit Geld vollgekackt wird.

Buchverkäufe, Fernsehdokus, Interviews – all das macht ihn zum Vergessen reich. Und er teilt diesen Reichtum. Metaphorisch gesehen jedenfalls. Denn Rudis Kampf gibt auch den normalen Menschen Kraft, die unter seiner Krankheit leiden. Allerdings könnte es sein, dass sie es mittlerweile nicht mehr wissen.

Andreas Koristka

 

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