meisterwerkeMeisterwerk

Krisen verwirren die Menschen, und eine Krise wird hier dargestellt: Aus der Vogelperspektive sehen wir hier ein Kinderbettchen, in dem ein Kind mit blauen Haaren liegt, daneben liegen links und rechts auf einem braunen Untergrund zwei erwachsene Männer. Das Bettchen trägt die Aufschrift »Euro« – ob die Wiege so heißt oder ob einfach jemand vom Preisschild der Wiege nur die Zahl entfernt hat, bleibt offen.

Der Dialog der drei offenbart die Krise: Es geht um eine Vaterschaft und dieser folgend um das Sorgerecht. Der Mann mit Brille behauptet, mit seinem Saumagen Samenspender gewesen zu sein. Das blauhaarige Kind hat offenbar erst sprechen gelernt, und der Glatzkopf rechts torpediert die ersten Artikulationsversuche des Kindes, indem er Verwirrung stiftet. Er will nicht mehr der »Papandreou« des Kindes sein, verzichtet also auf das Sorgerecht, das der Mann links offenbar beansprucht.

Doch oft ist genau das, was nicht zu sehen ist, das Wichtigste. In diesem Fall die Mutter des Kindes. Sie könnte Ordnung in diese allgemeine Verwirrung bringen: Will sich der Ausländer aus dem Staub machen oder ist er wirklich nicht der Vater? Und wie spendet man mit einem Saumagen Samen? Die Mutter allerdings scheint kein Interesse an einer Klärung der Probleme zu haben, denn sonst wäre sie ja anwesend. Ist vielleicht gerade sie das Problem?

Eine eindeutige Gesetzgebung zugunsten der Väter könnte hier dem blauhaarigen Kind nützen. – Das sollte am besten noch geschehen, bevor es erwachsen ist.

M. Carrière

 

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