Lebt eigentlich Bushido noch?

Lebt eigentlich Bushido noch?Ach, den kennen Sie gar nicht? Ja gut, wenn Sie älter sind als zwölf, keiner sozialen Randgruppe angehören, Ihre Pornografie über traditionelle Bezugsquellen besorgen und sich weniger für deutschen Sprechgesang und junge Musikschaffende mit Migrationshintergrund interessieren, dann kennen Sie diesen »Helden unserer Zeit« (Burda) nicht, der kürzlich für seine epochale Aufklärungs- und Integrationsarbeit mit dem »Bambi« geehrt wurde.

Wenn doch Bernd Eichinger das noch erleben dürfte! Wie wäre er stolz auf seinen präpotenten Ghettoblaster, dessen Leben er 2009 mit einem beachtlichen Staraufgebot verfilmte. Moritz Bleibtreu, Hannelore Elsner, Katja Flint und Uwe Ochsenknecht – sie haben sich gern mit dem Duft der Unterschicht eingerieben und müffeln bis heute leicht nach U-Bahn.

Nicht nur im Film, auch privat ist Bushido »ein respektvolles Miteinander« wichtig. Gern gibt er Tipps zum Blauschlagen von Frauen und Verkloppen oder Vergasen von Schwuchteln. Inzwischen berät er sogar Politiker. Das ist auch bitter nötig, denn woher soll ein Ronald Pofalla wissen, was ein Gangbang ist?

Überdies ist Bushido ein großer Dichter. Autobiografisch und nahezu kafkaesk reimt der Unterhosen-Lyriker »arm dran« auf »Harndrang« brühwarm über seine geistige Inkontinenz. Kaum zu glauben, dass dieser Wannabe-Gangsta (also Möchtegern-Verbrecher) so zart besaitet ist, dass er 2007 der Taz untersagen ließ, ihn »furzlangweiligen Kacker« und »Dumpfbacke« zu nennen. Der Spaßvogel Bushido, der nicht umsonst mit zweitem Vornamen Mohamed heißt, hat offenkundig ein Problem mit der Wahrheit und darf als größte lebende Mohammed-Karikatur aller Zeiten gelten.

Mit dem »Bambi« hat der sensible (K)anal-Rapper Bushido die höheren Weihen der Unterhaltungsbranche empfangen. Jetzt gehört er neben Helmut Schmidt und Loriot zu den ganz Großen. In der Urteilsbegründung spricht Burda Media von »eindringlichem Sprechgesang«. Stimmt genau! Zitat von Preisträger, Medienliebling, dem geschätzten Talkshowgast und Erzieher unserer Jugend, Bushido: »Ein Schwanz in den Arsch, ein Schwanz in den Mund, ein Schwanz in die Fotze, jetzt wird richtig gebumst.«

Machen Sie sich bitte keine Sorgen! Was Sie nicht kennen, geschweige denn praktizieren, kennen Ihre Kinder dank Bushido längst vom Schulhof und wissen, dass er das alles gar nicht ernst meint. Diese brillante Ironie – gepaart mit federleichter Poesie, die seit Rilke ihresgleichen sucht – teilt Bushido mit Hubertchen Burda. Der meint seine güldenen Staubfänger schon länger nicht mehr ernst.

Anke Behrend

 

---Anzeige---