Es ist erstaunlich, …

... was man so liest. Ich bin ja sehr dafür, sich nicht mit seinem Chefredakteur anzulegen und ein Gespür dafür zu entwickeln, welche Hand einen füttert. Aber bei all dem, was ich in den letzten Wochen lesen musste, komme ich mir vor, als sei ich der einzige im politischen Berlin, der nicht sein Mäntelchen nach dem Wind hängt.

Kollegen, die noch vor einem Jahr herablassend über Sozialschmarotzer, Leiharbeiter, Geringverdiener schrieben, Autoren, die nicht genug die »Leistungsträger « und den Kapitalisten-Knecht Gerhard Schröder lobten und die Atomenergie für unersetzlich hielten, Kommentatoren, für die der Kapitalismus das Paradies auf Erden war – sie alle reden plötzlich ganz anders.

»Kapitalismus am Ende«, »Hatte Marx doch recht?«, »Kommunismus, eine gerechte Idee«, »Warum nicht revolutionäre Arbeiter- und Soldatenräte?« – so klingt es aus dem gutbürgerlichen Blätterwald. Mit gewohnter Eleganz beschreiben diese »Edelfedern« (ich würde mich nie selber so nennen, wenn es andere tun, dann gut und schön) das Scheitern des Ausbeutersystems und die Schönheit der Windräder.

Neulich traf ich einen landesweit bekannten Linkenfresser in der Presselobby des Bundestages. Er hätte da was für mich, flüsterte er verschwörerisch – und schob mir in einer Serviette einen Aufnahmeantrag für die DKP rüber. Da musste ich wirklich lachen. Diese Saisonschreiber verdienen zwar prima, werden Abteilungsleiter und Intendanten. Ich bleibe trotzdem bei meinen weltanschaulichen Überzeugungen: Erstens – niemals braune Schuhe zum Smoking! Zweitens – nie direkten Hautkontakt zu einer öffentlichen Toilettenbrille! Und drittens – niemals Ingwer an die Pasta! Basta!

Diese Essentials lasse ich mir nicht kaputtmachen, egal wie »das politische Klima« sich angeblich ändert. Und ich sage Ihnen auch, warum: Meine Leserinnen und Leser haben journalistische Verlässlichkeit verdient.

Atze Svoboda

 

Kommentare 

 
#1 Margarita Moerth 2011-10-28 19:36
Lieber Kollege, ich wünsche IHnen, dass Sie Ihre hehren Prinzipien immer und jederzeit verwirklichen können.
Ich vermute allerdings, dass Sie noch sehr jung und noch nie gescheitert sind.
Zitat
 

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