Lebt eigentlich Günter Wallraff noch?

WallraffAngeblich ja, wenn auch nicht als Wallraff, sondern vielleicht momentan als Reich-Ranicki oder Hermann Otto Solms. Wallraff ist der wichtigste deutsche Verwandlungskünstler. 1984 hatte er sich auf Türke Ali geschminkt und in die Latrinen deutscher Industrieunternehmen eingeschlichen. Unter Lebensgefahr hat er aus kapitalistischer Scheiße gesellschaftskritische Bonbons gemacht.

Was ist aus seinem Geschäftsmodell geworden? Hat er seine besten Tage schon hinter sich? Zuletzt tourte er 2009 als »Ali Wallraff und die 40 Selbstbräuner« durch Ostdeutschland – als Schwarzer! Schwarz in der Zone – da lag das Blutvergießen sozusagen auf der Straße. Als Kwami Ogonno aus Somalia hat Wallraff die postsozialistische Fremdenfreundlichkeit am eigenen Leibe getestet. So wie der als Sternekoch verkleidete Restauranttester Christian Rach in ranzigen Kneipen verwahrloste Tellerwäscher und Kakerlaken aufscheucht, hat Wallraff als schwarzer Mann Gesinnungsschädlinge aus ihren Schlupflöchern und Neonazi- Höhlen vergrämt. »Du bist anders!«, trommelten die Eingeborenen an der Oder auf ihrem Blechgeschirr.

Das war nicht ganz falsch. Kwami Wallraff war offensichtlich anders in seinem Hawaii - hemd, mit einer Minipli-Perücke auf dem Kopf. Das erkannten selbst die Schrebergärtner in der Lausitz, obwohl sie noch nie zuvor einen Neger gesehen hatten, und fragten sich, ob da ein Kölner Jeck den Karneval verpennt und sich als Tänzer von Boney M. verkleidet hatte. Erwartungsgemäß wurde der Somali Günter überall schlecht behandelt. Aber mal ehrlich: Sogar in Somalia wäre er in dieser Aufmachung mit Obst beworfen worden.

Und heute? Sicherlich häkelt der nunmehr 68 Jahre alte Alt-68er in seiner schwarzweißen Ideenwerkstätte unverdrossen weiter an neuen linken Weltverbesserungsstrümpfen. Immer dabei – seine Lieblingsplatte »Woman Is the Nigger of the World« – Frau!

Schwarzer! Welt! Dann ist wieder voller Körpereinsatz gefragt, liegt Deutschlands bekanntester Entblößungsjournalist noch einmal ganz unten, wenn er in der Verkleidung von Inge Meysel dieses verdammt dicke Ding anpackt – die Diskriminierung der Frau! Als Frau Wallraff wird er die Karriereleiter im Minirock erklimmen und mit versteckter Kamera dokumentieren, wer ihm lüstern auf die Klassenkrampfadern glotzt.

Als Callgirl wird er unter schlimmsten Selbstausbeutungsbedingungen seine Brötchen verdienen. Und die Diskriminierungen! Wehrlos wird Frau W. erdulden müssen, dass Pubertierende mit Migrationshintergrund ihm keine schlüpfrigen Anzüglichkeiten hinterherrufen. Sie wird nicht in die Garderobe der deutschen Damen-Elf vorgelassen, darf nicht mit den Mädels duschen. Wir freuen uns darauf – und wünschen zum Geburtstag am 1. Oktober immer einen gut gefüllten Schminktopf.

Anke Behrend

 

Kommentare 

 
#2 www0kellerschaf0de 2011-10-23 15:36
Herr W. ist momentan als Tattergreis in der Seniorenresiden z "Muttergotteshil f" untergetaucht, um Mißstände in der Pflegewüste BRD aufzudecken. Deckname: Opa Unger
Zitat
 
 
#1 Harry 2011-10-04 21:34
Da haben wir's "Schwarz auf Weiß": Unterschätze nie einen Schrebergärtner in der Lausitz!
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