Brennende Städte…

… Hass, Gewalt und Plünderung – furchtbare Bilder aus England, die uns wohl noch bis nächste Woche in Erinnerung bleiben werden. Viele meiner Journalistenkollegen sinnieren jetzt darüber, warum die britischen Kids so neben der Spur sind.

Da kommt natürlich sofort die Erklärung: Die sozialen Verhältnisse sind schuld! Aber bei ihren Plünderungen stehlen die Randalierer ja nicht Kartoffeln und Brot, Milch oder Fischkonserven. Nein, sie haben es auf hochwertige Küchengeräte, Markenklamotten, Designermöbel und Rennpferde abgesehen. Hunger leiden die Chaoten also nicht.

Auch die Erklärung, dass in England die sozialistische Revolution ausgebrochen ist, wie es sich die kommunistische Qualitätspresse hierzulande wünscht, verfängt nicht.

Nein, die Gewalttäter auf der Straße sind kleine, miese Egoisten, die ohne Abitur, ohne Freiwilliges Soziales Jahr, ohne Mitgliedschaft bei der Jugendfeuerwehr und ohne Anspruch auf Arbeitslosengeld erworben zu haben, zu Wohlstand kommen wollen. Haben, haben, haben – das sind ihre drei niedrigen Motive.

Sie haben wohl nicht verstanden, dass unsere Gesellschaft von Freigiebigkeit und Nächstenliebe zusammengehalten wird. Gerade die erfolgreichsten Unternehmer beteiligen sich großzügig an gemeinnützigen Projekten (wie dem Wiederaufbau des Potsdamer Schlosses), spenden in Fernsehgalas für arme Kinder. Außerdem zahlen sie freiwillig den größten Teil der Steuern.

Die Finanzwirtschaft vergibt hochherzig Kredite, damit sich auch einfache Leute ein Häuschen bauen können. Und die Bundesregierung sorgt ohne viel Tamtam dafür, dass unsere Sparbücher sicher bleiben. An diesen moralischen Werten sollten sich die marodierenden Ich-Menschen orientieren. Und dass zum Leben auch einmal Verzicht gehört!

Da kann auch jeder von uns, liebe Leser, mit gutem Beispiel vorangehen. Ich beispielsweise habe neulich eine Obdachlosenzeitung erworben und sofort bar bezahlt. Rasend gerne hätte ich sie auch gelesen – doch ich habe sie dem Bettler mit den witzigen Worten »Behalt das Scheißding!« zurückgegeben. Das Strahlen in seinen Augen sagte mir: Der wird keine Molotowcocktails werfen.

Atze Svoboda

 

Kommentare 

 
#1 Tile 2011-10-27 16:07
Sehr geil. Genau meine Meinung. Viel zu oft wird heutzutage über den Staat und Co. gemeckert und viel zu oft wird von den Medien viel zu viel in gewisse Vorgänge gesteckt, obwohl der Grund einfach nur in der Idiotie der Gesellschaft liegt.
Zitat
 

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