Lebt eigentlich Christian Wulff noch?
Mittwoch, den 20. April 2011

wulffWahrscheinlich nicht, leider. Oder wenn, dann kann er sich nicht melden, nicht äußern, keinen Kassiber verschicken, sein Handy kann nicht geortet werden. Entweder wurde er entführt, oder sein christlich-jüdischer Gott hat ihn kurzerhand abberufen. Natürlich darf das ums Verrecken nicht sein – besonders jetzt nicht: Die angespannte internationale Situation, die Vertrauenskrise der Regierung, der Total-Ausfall der FDP, die Benzinpreise, die Portugiesen, die Libyer, Fukushima 1 bis 4!

Jederzeit könnte das politische Berlin den plötzlichen Tod Christian Wulffs verkraften (ideal wäre beispielsweise die nachrichtenarme Zeit in der parlamentarischen Sommerpause). Aber nicht jetzt! Jetzt wäre er eine Katastrophe! Wir werden Zeugen einer raffinierten und perfiden Inszenierung. Ein Mann, der als »Bundespräsident Christian Wulff« auftritt und ein absolut leeres Gesicht mitbringt, nimmt präsidiale Termine wahr.

Er war bei deutschen Chören, zeichnete sie mit der Friedrich-Zelter-Medaille aus – und verschwand. Er war bei deutschen Bankiers, las eine dreißigminütige Rede vom Blatt – und verschwand. Er war beim Oberkommando der Bundeswehr in Potsdam, aß dort Geschnetzeltes mit Kohlrabi – und verschwand.

Von diesen Begegnungen gibt es Ton- und Bild-Aufzeichnungen – die »Beweise«, dass es Wulff noch gibt. Stets ist ein Personenkreis zugegen, der leicht zum Stillschweigen verdonnert werden kann (besonders Chorsängerinnen sind, was ihre Fähigkeit zur personellen Selbstbestimmung betrifft, praktisch hilflose Personen).

Außerdem will eine Toilettenfrau der Autobahnraststätte Bad Oyenhausen Wulff über den halben Parkplatz verfolgt haben, weil er ihr das Pinkelgeld schuldete. Das ist alles, was »Christian Wulff« in den letzten Tagen getan hat.

Aber was hat er unterlassen? Er schweigt seit seiner großen Antrittsrede (»Auch der Islam gehört zu Deutschland«). Machte er uns Mut in der atomaren Katastrophe? Gab er uns Orientierung, woher wir künftig den Strom holen sollen? Tröstete er uns über Knuts grausamen Tod hinweg? Hat er die FDP aufgefordert, gefälligst weiterhin an die armen Hoteliers zu denken? Hat er die Kanzlerin ermahnt, sich nicht von den Grünen behumsen zu lassen? Hat er den Mappus mal öffentlich in den Arm genommen? Hat er den Japanern kondoliert? Hat er sich mit dem Innenminister Friedrich angelegt, der ihn zwischen den Zeilen einen Idioten genannt hat? Hat er unseren Frauen zum Frauentag gratuliert? Hat er den traditionellen Aprilscherz gemacht? Nein. Nichts.

Ist er wenigstens mit der Vroni und dem Maschi beim Shoppen in Basel gesichtet worden? Wieder nichts. Seit Tagen steht er plötzlich auf Platz 1 der Liste der beliebtesten Politiker. Überraschend ist das nicht für einen, der nicht gestorben sein darf. Unsere Gedanken sind bei Bettina und den Kindern. Möge das Double im Schloss Bellevue wissen, wo die Grenzen seines Auftrages liegen! Und an die Politik ergeht die Aufforderung: Gebt Wulffs Leichnam frei!

Mathias Wedel

 

Kommentare 

 
#1 Reinhart Buck 2011-12-23 09:44
Bundespräsident enamt abschaffen. Sofort!
Zitat
 

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