möseal
Mittwoch, den 23. Mai 2018

Die Ordinarienuniversitätsgelehrten alten Schlages wären wahrscheinlich von einer Ohnmacht in die andere gefallen, wenn ihnen geschwant hätte, was Ende April 2018 in der Uni Bielefeld geschehen sollte: Frauen und Transsexuelle konnten dort an einem vom AStA organisierten Masturbations- Workshop teilnehmen, der den Titel »Möseale Ejakulation« trug und den Untertitel »Die Votzen spritzen zurück«. In der Ankündigung hieß es: »Wir werden uns über bereits gemachte oder (noch) nicht gemachte Erfahrungen austauschen und uns an der votzigen Vielfalt erfreuen.« Und über die Workshopleiterin, die sich den vielsagenden Namen Pia Voz-Picunt gegeben hatte, war dort zu erfahren: »Pia Voz-Picunt arbeitet unermüdlich an der Etablierung einer Neuen Gleitkultur, schlägt hierfür in praktischer und theoretischer Hinsicht einen dreifaltigen Ansatz vor: Klitorales Bewusstsein schaffen – Pussytiv leben – Votzüglich ficken.«

Was vor allem vier Fragen aufwirft: Mussten es wirklich so schlimme Wörter sein? Gibt es ein noch unerotischeres als »möseal«? Wäre »muschial« nicht die bessere Wahl gewesen? Und warum wurde nicht auch ein Workshop für onanierende Männer angeboten? Über das Ungleichgewicht in der Bewertung sich selbst befriedigender Männer und Frauen hatte sich der Schriftsteller Hermann Peter Piwitt bereits vor knapp dreißig Jahren gewundert: »Ich habe mich schon immer mal gefragt, warum Männer, wenn sie sich einen runterholen, ›Wichser‹ sind, während Frauen, wenn sie dasselbe tun, den verwunschenen Garten ihres Leibes erkunden. Aber vielleicht gibt mir mal jemand eine Antwort darauf.« Die Experten, die es möglicherweise könnten, scheinen jedoch etwas anderes zu tun zu haben.

Wie man hört, finden viele von ihnen seit neuestem Gefallen an der »Condom Snorting Challenge«, womit gemeint ist, dass sie sich dabei filmen, wie sie ein Präservativ durch die Nase einatmen und es sich aus dem Mund wieder herausziehen. Zur Verzweiflung besorgter Mediziner soll der besondere Kitzel an der Sache in der Erstickungsgefahr bestehen. Was aber hätte wohl der gute alte Freiherr von Eichendorff, der ja seinerseits ein Fachmann für Abgründiges war, zur mösealen Ejakulation, dem pussytiven Leben, der neuen Gleitkultur, der votzigen Vielfalt, Pia Voz-Picunt und dem Kondome inhalierenden Nachwuchs gesagt? Eventuell dies: »Und seh’ ich so kecke Gesellen, / Die Thränen im Auge mir schwellen – / Ach Gott, führ’ uns liebreich zu Dir!«

Gerhard Henschel

 

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