insofern, als dass
Dienstag, den 24. April 2018

Wer sich gewählt ausdrücken möchte und es nicht kann, der sagt gern fälschlich »insofern, dass« statt »insofern, als«. Manch einer ahnt jedoch, dass er sich hier auf schlüpfriges Terrain begibt, und sucht Rat, so wie jener Mann namens Markus, der das Problem vor zwölf Jahren im Rechtschreibforum von www.korrekturen.de ansprach: »Einmal findet man Sätze wie ›Ich stimme der Petition insofern zu, dass vormals ...‹ und ein anderes Mal wie ›Ich stimme der Petition insofern zu, als dass vormals ...‹. Ist beides richtig? Wenn ja, welcher Stil ist besser?« Leider war und ist beides falsch.

Sollte jemand »insofern, dass« oder »insofern, als dass« sagen, muss er trotzdem kein schlechter Mensch sein; vielleicht hat er sich auf anderen Gebieten verdient gemacht, sei es als Rettungsschwimmer, als Hautarzt oder als Gebäudereiniger, und es fehlt ihm nur ein guter Freund, der ihn einmal dezent darauf hinweist, dass es »insofern, als« heißt. Zu kleinen Liebesdiensten dieser Art ermunterte Max Goldt seine Leser, als er schrieb: »Ich habe sogar Sympathie für die Auffassung, dass jeder so reden solle, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, doch zu zweit auf gleicher Augenhöhe gegenseitig Schnabelpflege zu betreiben, ist eine schöne Sache, wenn beide es mögen.«

Anders verhält es sich, wenn hauptberufliche Journalisten den Fehler weiterverbreiten. »Das ist allerdings nur insofern richtig, als dass der Datenschutz Firmen mit einem Geschäftsmodell wie Palantir hierzulande Schranken setzt« (FAZ, 19.3.2018. »Spannend insofern, als dass der Ansatz dort ein anderer war« (Focus online, 27.9.2017). »Das passt aber insofern, als dass er in diesem Ressort auch für die erneuerbaren Energien zuständig ist« (taz, 17.11.2017). »Der CDU-Wirtschaftsrat reagierte auf den Rekordüberschuss insofern, als dass er seine Forderungen nach Steuersenkungen und Investitionen bekräftigte« (Der Tagesspiegel, 25.8.2017). »Dass er nun erstmals an einem Grossanlass die oberste Stufe des Podests besteigen durfte, erstaunt insofern, als dass Krüger bereits nach 100 Meter zu Fall gekommen war« (Neue Zürcher Zeitung, 11.2.2018). In solchen Fällen darf man schon einmal öffentlich Arthur Schopenhauer zitieren: »Seht daher, wie sie schwelgen in der Sprachverhunzung, diese edeln Söhne der ›Jetztzeit‹. Seht sie nur an! kahle Köpfe, lange Bärte, Brillen statt der Augen, als Surrogat der Gedanken ein Cigarro im thierischen Maul, ein Sack auf dem Rücken statt des Rocks, Herumtreiben statt des Fleißes, Arroganz statt der Kenntnisse, Frechheit und Kamaraderie statt der Verdienste.«

Gerhard Henschel

 

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