Lebt eigentlich Hannelore Kraft noch?
Mittwoch, den 24. Januar 2018

Lebt eigentlich Hannelore Kraft noch?Ja, aber man hätte sie glatt für scheintot halten können. Die Mutti von der Ruhr, der vor noch gar nicht allzu langer Zeit ernsthafte Aussichten auf einen Einzug in das Kanzleramt zugetraut wurden – und das trotz SPD-Mitgliedschaft –, hatte sich nach ihrer Wahlniederlage im Mai 2017 rar gemacht: Rücktritt aus dem Bundesvorstand der Partei, Aufgabe des Landesvorsitzes und Löschen der amüsanten Selfie- Clips auf Youtube. Hannelore Kraft beschränkte sich darauf, in der letzten Reihe des Düsseldorfer Landtags mit ihrer Nagelfeile kleine Nelkenblüten in die Tischbank zu ritzen und in ihrem Abgeordneten-Büro Filterkaffee zu kochen. Für sich allein, denn Besuch und erst recht die Presse wollte sie nicht empfangen.

Zurückgezogen wie eine rheinische Marlene Dietrich verschlief Kraft quasi im Dornröschenschlaf den Untergang der SPD bei der Bundestagswahl und das behäbige Geziere um eine neue Gro-Ko-Beteiligung. Dass die SPD-Granden an den Rhein pilgerten, um sich von der erfolgsverwöhnten Loreley Kraft verzaubern zu lassen, war da schon lange her.

Im Dezember dann beleuchtete eine neue Folge von ZDF History den Aufstieg und den Fall der Kraft. Dass Kurt Beck darin beharrlich als »ehemaliger SPD-Bundesvorsitzender«, nie aber als Krafts rheinlandpfälzischer Amtskollege vorgestellt wurde, stellte die Seriosität des Films für eingefleischte Sozis stark infrage.

Auch ging Filmemacher Guido Knopp nicht auf Krafts neue Karriere ein: Als frischgebackenes Mitglied des Aufsichtsrats der Ruhrkohle AG wird die Ministerpräsidentin a. D. fortan für die Verpflegung von Streikbrechern zuständig sein. Na dann: Glück auf!

Anette Riemer

 

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