Ärgerlich …
Mittwoch, den 25. Oktober 2017

… ist eigentlich gar nichts in meinem Job. Es ist der schönste der Welt: Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit sagen, um so besser, wenn man damit guten Freunden einen Gefallen tun kann! Ärgerlich ist nur eins: Wenn der Text aufgeschrieben, wenn er gedruckt ist, sieht alles so wunderbar leicht aus, als würde unsereins seine Geschichten zwischen zwei Schluck Latte aus dem Lattebecher runterreißen!

So leicht ist es natürlich nicht – es gehört bienenfleißige Recherche dazu, Geduld, Sitzfleisch und Trinkfestigkeit. Bei einer Buchmesse kommen alle diese Anforderungen als Dauerbelastung auf den Korrespondenten zu: Empfänge, Plaudereien, bis früh um drei in der Hotelbar hocken (wer würde sich das antun, wenn es nicht um wichtige Nachrichtendetails ginge?). Vielleicht verführt das manche Kollegin dazu, es sich ein bisschen zu leicht zu machen. Nehmen wir die reizende Laura Karasek, die für Bild von der Frankfurter Buchmesse berichtete. Die Frau ist vor allem eine Tochter, die Tochter von Hellmuth, einem der größten Herrenwitze-Erzähler, der heute noch jede Autohauseröffnung schmücken könnte, wenn er nicht verstorben wäre.

Aber Tochter sein ist noch kein Talent. Bei der Rowohlt-Party stand sie offenbar nur vor der Tür, weil da geraucht werden durfte. Trotzdem behauptete sie, dass hinter der Tür Richard David Precht und Herr von Hirschhausen Schnittchen vertilgt haben. Sie will Precht sogar erkannt haben, weil sie ihn einen Tag vorher bei Lanz gesehen habe: Also Fernsehen statt Recherche! Über Daniel Kehlmann kolportiert sie, er sei »gerade von einer Lesung « gekommen – dabei kam er nachweislich gerade von der Toilette.

So nicht, liebes Fräulein. Und morgens um drei aus einem Fachgespräch in der Lobby einfach aufzustehen und unter dem Vorwand, man müsse noch mit Döpfner telefonieren, einen Kollegen einfach sitzenzulassen – das verletzt nachgerade die Grundlagen unseres Berufs.

Atze Svoboda

 

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