Vertrauenssachen
Mittwoch, den 22. März 2017

Stellen Sie sich vor, Sie müssten Rechenschaft darüber ablegen, mit wem Sie sich gestern unterhalten haben. Und vor allem: worüber! Da würden sicherlich einige von Ihnen ins Schwitzen geraten. Aber jetzt stellen Sie sich bitte einmal vor, Sie wären nicht irgendein Hanswurst mit unmanikürten Händen, der gestern mit der Nachbarin die Benzinpreise verglichen oder die neuesten Aldi-Angebote besprochen hat und nicht weiß, wo man in Berlin gute Masalas bekommt (ich meine die wirklich knusprigen und nicht die Currypampe, die man allerorten kaufen kann).

Stellen Sie sich vor, Sie wären jemand Bedeutendes. Kurzum, stellen Sie sich vor, Sie wären ich und hätten gestern mit jemand Wichtigem aus der Politik – wer es genau war, tut hier gar nichts zur Sache – zu Tisch gesessen und ein sogenanntes Hintergrundgespräch geführt, dessen Inhalt das Wohl unseres Landes und pikante Details über das Liebesleben eines ranghohen Regierungsmitgliedes betraf. Da würden Sie auch nicht wollen, dass Sie all dies offenlegen müssen. Aber ein Berliner Gericht hat nun genau das entschieden:
Gesprächspartner und die besprochenen Themen von Hintergrundgesprächen mit der Kanzlerin sollen zukünftig veröffentlicht werden müssen.

Es ist ein Skandal. Das Prinzip der Hintergrundgespräche wird dadurch völlig ad absurdum geführt. Wenn ich über alles schreiben würde, was ich über Frau Merkel weiß, dann brauchen wir schließlich auch keine geheimen Gespräche mehr! Und was hätten denn die Leute davon, wenn sie alles wüssten? Sie würden die Wahrheit gar nicht ertragen! Zum Beispiel, was es wirklich mit Peter Altmaiers Liebesleben auf sich hat. Asexuell – dass ich nicht lache! Aber kann man mich wirklich zwingen, Gesprächsinhalte zu veröffentlichen, wenn die Unterhaltungen unter vier Augen ablaufen? Wenn niemand außer mir und meinem Gegenüber weiß, worüber wir sprechen? Viele meiner Gesprächspartner aus der Politik haben da eine ganz eigene Meinung. Welche das genau ist, darf ich hier leider nicht verraten.

Atze Svoboda

 

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