Liebe Leserin, lieber Leser,

der politische Abstieg der Piratenpartei ist ja schon eine Weile her, doch unter dem Aspekt der Aufmerksamkeitsökonomie kam der Tiefpunkt erst jetzt: Da hatte ein bekannter Parteifunktionär eine perfekt choreographierte Mord-Suizid-Kombination hingelegt, mit der er wohl einen medialen Wirbelsturm auslösen wollte, doch selbst diese Aktion reichte letztlich nur noch für einen erbärmlichen Tag in den Schlagzeilen. Und verdrängt wurde sie nicht etwa von einem spektakulären Terroranschlag oder wenigstens einer Naturkatastrophe, sondern – die ultimative Demütigung – von einem öden Pseudo-Skandal in der CDU, ausgelöst durch einen offenen Brief einer mäßig begabten Nachwuchsintrigantin. Damit dürften die Piraten nun endgültig am Ende sein: Wer im Kampf um das Interesse der Öffentlichkeit selbst mit größtem Aufwand nicht einmal mehr mit der langweiligsten Partei der Welt mithalten kann, der sollte den Laden besser gleich dicht machen.

Apropos CDU: Deren Generalsekretär Peter Tauber steht zur Zeit in der Kritik, weil er anscheinend mal an einer Kaninchenjagd teilgenommen hat. So habe ich das jedenfalls beim Überfliegen von Google News verstanden; zum Lesen vollständiger Artikel fehlt mir ja leider die Zeit. Wie dem auch sei, ich kann die Aufregung nicht verstehen. Erstens: Warum sollte ein Politiker nicht auch Jäger sein können? Juristen und Lehrer haben wir nun wirklich genug im Bundestag. Zweitens: Die Jagd auf Kaninchen ist keineswegs verwerflich, sondern im Gegenteil zur Bestandskontrolle zwingend notwendig, denn »bei massenhaftem Auftreten verursachen sie teils erhebliche Wildschäden, indem sie Jungpflanzen, Sträucher und Feldfrüchte verbeißen« (Wikipedia). Solche Wahrheiten werden von unserer veganen Systempresse natürlich unterdrückt. Armes Deutschland! Angesichts dieser Zustände ist es um so wichtiger, dass uns Politiker wie Peter Tauber erhalten bleiben. Auf Seite 22 stellen wir ihn näher vor.

Vor Kurzem noch schien es, als könnte die Präsidentenwahl in den USA eine knappe Angelegenheit werden. Welcher der beiden Kandidaten würde wohl die Wähler davon überzeugen können, das kleinere Übel zu sein? Vor einer ganz besonderen Herausforderung stand dabei Hillary Clinton als Vertreterin der Demokraten: Zum ersten Mal in ihrem Leben bekam sie es mit jemandem zu tun, der noch mehr lügt als sie selbst. Viele Beobachter fragten sich gespannt, wie sie diese ungewohnte Situation wohl meistern würde. Doch im Moment ist ihr republikanischer Gegenspieler Donald Trump schwer in der Defensive, weil zufällig ein altes Video aufgetaucht ist, in dem er in deftigen Worten seine Paarungsstrategie beschreibt. Wie die gesamte restliche Medienwelt war auch ich nach Ansicht dieses Dokuments zutiefst schockiert: Wer hätte denn ahnen können, dass der sonst so zart und vergeistigt wirkende Immobilienmogul zu solch einer Gossensprache fähig sein würde? Im Moment sind sich die Experten jedenfalls einig, dass sich Trump von diesem Debakel nicht mehr erholen wird. Aber wer weiß – wenn Sie diesen Text hier lesen, ist das alles vielleicht schon wieder Makulatur, weil in der Zwischenzeit jemand ein Sextape von Hillary Clinton und, sagen wir, Brad Pitt ins Netz gestellt hat. Der US-Wahlkampf wird jedenfalls nie langweilig. Wir berichten ausführlich ab Seite 18.

Mit präsidialen Grüßen

xxx
Chefredakteur

 

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