Busen-Battle
Mittwoch, den 22. Juni 2016

Unerschöpflich ist der Erfindungsreichtum der Journalisten und zumal der sogenannten People-Journalisten. Sie bringen fortlaufend Dinge auf den Begriff, die überhaupt kein Gegenstand der Berichterstattung wären, wenn es in diesem Gewerbe auch nur halb so gesittet zuginge wie in einem durchschnittlichen Paviangehege: »Busen-Battle beim Promi-Boxen: So will Yoga-Jordan Dschungel-Melli ausknocken «, »Maren Gilzer und Tanja Tischewitsch im Busen-Battle«, »Heißes Busen-Battle zwischen Sylvie Meis und Cathy Hummels«, »Taylor Swift: Busen-Battle mit Kim Kardashian?«, »Verrückter Busen- Battle im Netz: An welcher Uni studieren die größten?« Und Pro Sieben berichtet: »Wenn zwei Promi-Damen vom gleichen Schlag aufeinander treffen, bedeutet das oft Konkurrenz-Kampf! So wie beim Busen-Battle zwischen Micaela Schäfer und Bettie Ballhaus – da kommen Nacktschnecke Micaela sogar die Tränen ...«

Eng verwandt mit dem »Busen-Battle« ist ein anderer von ProSieben-Journalisten geschätzter Terminus technicus: »Ein Hauch von Nichts! Das kurioseste Brüste-Battle lieferten sich Rihanna und Miley Cyrus. Die Sängerinnen gewährten auf der amfAR-AIDS-Gala tiefe Einblicke.« Dagegen wirkt der von Bild ausgerufene »Busenkrieg am Ballermann« fast wie ein Relikt aus jener Zeit, in der zwischen den Schauspielerinnen Sophia Loren und Gina Lollobrigida ein »Busenkrieg « getobt haben soll beziehungsweise von der vierten Gewalt ausgeheckt, angeheizt und bekochlöffelt wurde, zum Gaudium eines Publikums, das seine Claims nicht persönlich im Dekolleté der einen oder anderen Celebrity abstecken konnte.

Aber auch der »Busen-Battle« ist schon älteren Datums, zumindest in der englischsprachigen Welt: Im September 1966 widmete das New Yorker Klatschmagazin Confidential dem »Bosom Battle of the 007 Girls« eine Titelgeschichte, und bereits im Sommer 1958 war der Streit um den Auftritt halbnackter Tänzerinnen in einem Casino in Las Vegas als »Bosom Battle« in die amerikanische Kulturgeschichte eingegangen. Damals obsiegten die Sittenwächter.

Im frühen 21. Jahrhundert wiederum muss man sich die Augen und die Ohren zuhalten, wenn man sich dem Busenkriegsgeschehen entziehen möchte. »Gina-Lisa Lohfink: Busen-Kampf mit Charlotte Engelhardt?« frohlockte 2012 das österreichische Schmutzblatt Österreich, und erst jüngst haben es die Spatzen von allen Dächern geheult, dass die Schauspielerin Salma Hayek ihrer Kollegin Susan Sarandon im »Busen-Battle« unterlegen sei. »Auf Instagram postete die Schauspielerin ein Foto der intensiven Busen-Battle«, meldete Bild erfreut, so dass jetzt eigentlich nur noch die Frage offen ist, ob es der, die oder das Busen- Battle heißt. Da wird die Duden-Redaktion noch schön ins Schwitzen kommen, wenn sie dem Journalistenvolk aufs Maul schaut.

Gerhard Henschel

 

Kommentare 

 
#1 Petra Hofmann 2017-06-11 14:48
Noch schlimmer finde ich, dass das Wort Busen in falschem Zusammenhang verwendet wird. Der Busen ist die Falte zwischen den Brüsten und nichts anderes.
Die Hüter unserer deutschen Sprache, hier die Ersteller des online-Dudens, scheinen die anatomischen Zusammenhänge ganauso wenig verstanden zu haben, wie die oben zitierten Journalisten. Ruft man auf www.duden.de das Wort Busen auf, bekommt man folgende Erläuterung:

weibliche Brust in ihrer plastischen Erscheinung, besonders im Hinblick auf ihren erotischen Reiz

Was für ein Schwachsinn!
Fahren wir also an die Finnischen Meerbrüste statt an den Finnischen Meerbusen? Oder sage ich jetzt zu meiner Freundin, dass sie tolle feste Poritzen hat, obwohl ich ihre Pobacken meine?
Zitat
 

---Anzeige---