Lebt eigentlich Detlef Seif noch?
Montag, den 23. Mai 2016

SeifDer galt eigentlich seit Langem als tot, zumindest jedoch zeitweilig beim DRK-Suchdienst als vermisst. Dagegen sprach allerdings, dass er, wenn einer in der Fraktion Geburtstag hatte und einen ausgab, wie aus dem Nichts auftauchte. »Wer ist das, der da frisst?«, war auf der Fraktionsetage der CDU ein geflügeltes Wort, wenn man den Zweimetermann kommen sah. Erstaunlicherweise haben die Euskirchener Herrn Seif 2013 noch einmal direkt in den Bundestag geschickt, obwohl er zu diesem Zeitpunkt schon mindestens seit drei Jahren tot war (aber vielleicht sagten sie sich, ein Toter richtet keinen Schaden an).

Mitte Mai trat Seif dann plötzlich lebend vor den Bundestag und schrie Wörter, wie »Schweinefurz«, »Gelöt«, »Schrumpelklöten« in den Raum. Zuvor hatte er versichert, dass er das »eigentlich« nicht wolle bzw. nicht gern tue – aber er könne nun einmal nicht anders. Offenbar leidet Seif also unter dem gefürchteten Tourette-Syndrom, bei dem der Erkrankte sich durch das plötzliche Rufen unanständiger Wörter psychische Entlastung vom Fraktionszwang verschafft. Mit dem Wort »Schrumpelklöten« soll er vor der Debatte im Hohen Haus bereits Mitarbeiterinnen auf der Damentoilette erschreckt haben. Oder hat er nur geübt?

Sein Auftritt löste Verwirrung, Panik, und bei den Frauen Weinkrämpfe aus. Frau Künast (Grüne) sagte stellvertretend für jene Abgeordneten, die noch von den Werten der Sauberkeit und des Anstands getragen sind, dem Spiegel, diese Begriffe hätten sie »peinlich berührt«. Lebensgefahr für Seif bestand aber zunächst nicht. Im Gegenteil – Präsident Erdogan ließ durch seinen deutschen Anwalt erklären, »Ziegenficker« u.ä. seien dem Deutschen Bundestag durchaus angemessene Begriffe.

Dennoch ist inzwischen unklar, was aus dem engagierten Abgeordneten geworden ist – Bundestagspräsident Norbert Lammert trägt eine Dienstwaffe, und es soll nach dem Auftritt Seifs in den Fraktionsräumen »mächtig gerumst« haben.

Matti Friedrich

 

---Anzeige---