Liebe Leserin, lieber Leser,

an dieser Stelle sollte eigentlich ein selbstgeschriebenes Ulk-Gedicht über Wladimir Putin erscheinen (»Putin okkupiert die Krim / Böser Putin, schlimm, schlimm, schlimm! Usw.«). Aber unsere Rechtsabteilung hat mir soeben mitgeteilt, dass das obligatorische juristische Gutachten nicht mehr vor Redaktionsschluss fertig wird. Ich bitte hiermit vielmals um Verzeihung und verweise auf eines der nächsten Hefte.

Auch nach Jahren vergeht kaum ein Monat, in dem nicht neue, skandalöse Details über den NSU-Skandal ans Licht kommen. Unser Staat und seine Institutionen werden durch diese Erkenntnisse mittlerweile in ein derart schlechtes Licht gerückt, dass ich mich langsam frage, ob es nicht ein großer Fehler war, die Ermittlungen überhaupt in diese Richtung zu lenken. Es lief doch so gut vorher! Jahrelang hatten wir es laut Polizei lediglich mit »Döner-Morden« zu tun, also ein paar Ausländer murksten sich aufgrund herkunftsbedingter Unzivilisiertheit gegenseitig ab. Das war unmittelbar einsichtig, und wir alle konnten gut damit leben. Heute dagegen sollen wir akzeptieren, dass eine rechtsradikale Bande jahrelang unter Aufsicht oder gar Anleitung des Verfassungsschutzes rassistisch motivierte Morde begehen konnte, ohne damit auf größeres Interesse bei der Polizei zu stoßen. Was für eine Zumutung! Also warum kehren wir nicht zur ursprünglichen Theorie zurück? Lassen wir einfach Beate Zschäpe frei (sie kann ja von mir aus später bei einem Verkehrsunfall umkommen), und klagen wir stattdessen einen dieser unrasierten Mustafas an, und zwar wegen Verunglimpfung deutscher Behörden. Dann muss ich hoffentlich nie wieder Beiträge wie den auf Seite 36 ankündigen.

Mit Erschrecken beobachte ich, wie in der Berichterstattung über Thüringen die Gemeinschaft der demokratischen Presse zunehmend bröckelt. Hielten die Journalisten direkt nach der kommunistischen Machtübernahme noch vorbildlich zusammen und sagten gemeinsam Tod, Chaos und Verderben voraus, so sind in letzter Zeit selbst in der vermeintlich bürgerlichen Presse zunehmend Reportagen und Meinungsbeiträge zu lesen, die nahelegen, dass das Bundesland wider Erwarten wohl doch nicht in Kannibalismus und Sodomie versunken ist. Mancher Autor versteigt sich gar zu der Behauptung, der Ministerpräsident sei ein wackerer Christenmensch, der es nur gut mit seinen Landeskindern meine.

Dabei handelt es sich selbstverständlich um üble Desinformation: Offensichtlich ist die Gleichschaltung der Presse inzwischen so weit fortgeschritten, dass nur noch positive Berichte über das Ramelow-Regime erscheinen dürfen. Von den Hungersnöten, den Aufständen, den Deportationen und dem grässlichen Dialekt liest man dagegen nirgends mehr. Nur wir beim EULENSPIEGEL, dem Magazin für unterdrückte Meinungen, decken diese Wahrheiten knallhart und schonungslos auf, nämlich in diesem Heft auf Seite 39. Lustig ist das natürlich überhaupt nicht, aber eine aufrechte Haltung ist letztlich wichtiger als irgendwelche albernen Witze.

Freundschaft!

xxx
Chefredakteur

 

 

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