Lebt eigentlich Rudof Scharping noch?
Mittwoch, den 23. März 2016

scharpingJa, doch sein leben ist rasch erzählt.
Es besteht aus drei Ereignissen. das erste ist ein Ereignis im Konjunktiv: 1994 hätte Scharping dem Vaterland einen großen Dienst erweisen können, wäre er als Kanzlerkandidat nicht Helmut Kohl bei der Wahl zum Bundestag unterlegen gewesen. Danach wäre es schön gewesen, hätte man ihn in Ruhe schmollen lassen – aber nein, Lafontaine hat ihn auch noch zur Witzfigur gemacht, als er ihn mit einer grandiosen Rede auf einem Landesparteitag aus dem Amt des Parteivorsitzenden stieß. Neben Lafontaine wirkte Scharping wie Stotterkönig Georg VI. Nach ihm wurde noch so mancher Sozialdemokrat von der Partei verheizt.

Das zweite Ereignis muss man seit Kurzem von hinten erzählen: Rudolf Scharping und Kristina Gräfin Pilati von Thassul zu Daxberg lieben einander nicht mehr! Aufsehen erregte das Glamourpaar, als es sein Liebesglück allen Deutschen zeigen wollte und sich zu diesem Behuf von Bunte in einem Swimmingpool auf Malle fotografieren ließ, einander netzend und neckend. Das war 2002, die Bundeswehr stand vor einem heiklen Kriegseinsatz in Mazedonien, und Scharping war ihr Oberbefehlshaber. Schröder feuerte den Lüstling, der fortan »Rudi Bin Baden« hieß. Übrigens war Scharping keineswegs das Opfer eines Paparazzo: »Großartige Geschichte, tolle Bilder« hatte er der Redaktion vor dem Andruck bescheinigt.

Das dritte Ereignis ist nicht geschehen und deshalb das Beste, was Scharping passieren konnte: in den letzten siebzehn Jahren ist Scharping nie mehr – wie früher regelmäßig und eindrucksvoll – auf den Kopf (oder einen anderen Körperteil) gefallen. Allerdings müssen wir weiter um ihn bangen: er fühlt sich noch immer dem Radsport verbunden.
Die Trennung von der Gräfin kommentierte er mit den Worten: »Wir haben uns auseinander geschwommen.«

Matti Friedrich

 

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