Lebt eigentlich Sabine Bergmann-Pohl noch?
Donnerstag, den 27. Januar 2011

+++ aus dem aktuellen Heft +++

02-2011-bergmann»Sabine wer?«, werden Sie jetzt bestimmt fragen, aber keine Angst: Das fragen sich gemeinsam mit Ihnen ungefähr sieben Milliarden Leser. Frau Bergmann-Pohl, wiederholen wir deshalb alle noch mal im Chor, war die letzte Volkskammerpräsidentin der DDR und eine würdige Repräsentantin dieses untergehenden Staates. Wenn nämlich jemand so aussah wie eine Übergangs-, Aushilfs- oder Notlösung, wie der geborene Ersatz oder das Politik gewordene Provisorium, so war es diese Frau.

Von Beruf angeblich Ärztin, wurde sie einer breiteren Öffentlichkeit jedoch vor allem als ostdeutsche Alarmtute bekannt. In enervierend quäkendem Tonfall leitete sie Debatten, mit verlässlich gekränktem Unterton gab sie Interviews, und voll säuerlicher Griesgrämigkeit verlas sie Erklärungen. Wer vor der Glotze friedlich eingenickt war, fuhr garantiert wieder hoch, sobald diese ostdeutsche Parlamentsvuvuzela ertönte.
Unvergessen sind auch ihre Polypen, die nicht nur da für sorgten, dass die Hälfte dessen, was Frau Bergmann-Pohl äußerte, einfach wie »äng«, »näng« oder »päng« rüberkam, ohne dass jemand ernsthaft den Inhalt vermisst hätte. Ihre Nasenwucher­ungen fanden im Westen sogar würdige Nacheiferinnen, etwa in Ulla Schmidt, einer ehemaligen und nicht minder vergessenen Gesundheitsministerin. Sage also niemand, der Osten hätte nichts Eigenes zur Wiedervereinigung beigetragen! So verschnupft hatte Gesamtdeutschland noch nie geklungen!
Nach diesem schönen Erfolg war es natürlich kein Wunder, dass Frau Bergmann-Pohl sich nicht mehr steigern konnte. Sie wurde erst zur Bundesminister in ohne Geschäftsbereich zurückgeschraubt, sodann auf die Größe einer Staatssekretärin zusammengefaltet und schließlich als DRK-Leiterin in einer Berliner Sondertonne entsorgt.
Genau darin aber sehen wir heute, dass auch Restbestände recycelt werden können, die angeblich zu nichts mehr nütze sind. Frau Bergmann-Pohl – inzwischen hinreichend abgeklungen – fand nämlich dieser Tage eine gänzlich neue Verwendung. Ist sie doch jetzt Schirmherrin des Bündnisses gegen Fluglärm, das die Routenführung des neuen Airports Berlin-Brandenburg bekämpft.
Zu dieser Tätigkeit können wir allen Beteiligten nur gratulieren. Da ist endlich mal jemand für etwas eingesetzt worden, das seinen Fähigkeiten entspricht. Von quälendem Lärm ohne praktischen Nutzen versteht Frau Bergmann-Pohl wirklich eine Menge.

Utz Bamberg

 

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