Mittwoch, den 20. Mai 2015

 meisterwerkeMeisterwerk

Jeder hat eine Meinung zu Banken (alle scheiße). Doch wie das Bankenwesen im tiefsten Inneren funktioniert, wissen nur die Wenigsten. Ein wenig Licht in die Angelegenheit bringt diese Zeichnung, die in jedes VWL-Lehrbuch gehört. Sie trägt gewissermaßen die Fackel der Aufklärung in die dunkle Höhle des Mammon.

Wir sehen Konrad Adenauer, eine Zigarre im Mundwinkel, der ein Sparbuch entzündet. Aus seiner Jackett-Tasche hängt ein Zettel, auf dem der Name Draghi zu erkennen ist. Neben ihm lodert ein Feuer, das sich, der Aufschrift »Spar« auf einem der Fetzen im Feuer nach zu schließen, aus weiteren Sparbüchern nährt. – Ein Inferno!

Will Adenauer sein Erspartes loswerden? Oder sind im Sparbuch vielleicht vielmehr Schulden verzeichnet, die er zu vernichten trachtet? Neben den Flammen steht ein Text. Kann er Aufschluss geben? – Leider nein.

Wozu also das Ganze, fragt der Laie. Der Fachmann aber weiß: Schmeißt man Geld zum Fenster hinaus, sammelt es ein anderer ein. Man kennt das von der Frau. Das Geld, das sie ausgibt, hat der Friseur, der Schuhverkäufer, der Besitzer der Firma Dildoking. Geld aber, das verbrannt wird, ist für alle unwiederbringlich verloren oder wie Banker sagen: futschikato. Übrig bleibt Asche (daher die Bezeichnung »der hat einen Haufen Asche« für jemanden, der seine Sparbücher angezündet hat).

Will also sagen: Der Ex-Kanzler vernichtet seine Spareinlagen oder Schulden ein für allemal. – Denkt er zumindest. Denn was Adenauer nicht weiß: Das wird heute alles elektronisch erledigt. Die Zündelei bringt überhaupt nix. In den sogenannten Serverparks der Banken sitzen Gnome und meißeln Soll und Haben in Festplatten im Computer drin. Für alte bzw. tote Leute wie Adenauer natürlich völlig unverständliche Technik, Zauberei. Und es wäre ja noch schöner, wenn plötzlich jeder mit seinem Sparbuch machen könnte, was er will. Denn was das Beste für Ihr Geld ist, weiß Ihre Bank immer noch am besten.

A. Jain

 

 

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