Lebt eigentlich Philipp Rösler noch?
Dienstag, den 21. Dezember 2010


+++ aus dem aktuellen Heft +++

Ein erleicrslerhtertes »Ja!«. Bis Redaktionsschluss war er nicht für tot erklärt worden. Hängt seine politische Existenz am seidenen Faden? Vielleicht sogar seine physische? Man weiß ja nicht, was die FDP mit Leuten macht, die sie für Verräter hält!





Hysterisch suchte die Parteiführung »das Schwein« – so Fraktionschefin Birgit Homburger zu einem der Redaktion namentlich bekannten Parteikollegen –, das den Amerikanern seit Jahren Interna und drastische Einschätzungen über Spitzenpolitiker der Republik geliefert haben muss: Die Kanzlerin, Schäuble, von der Leyen, Seehofer – alle hat er gnadenlos bei den Alliierten denunziert, vor der Welt zum Gespött gemacht. Mit besonderem Genuss aber hat er liberale Krakeeler bloßgestellt: Westerwelle ist, seit die Dokumente im Internet stehen, politisch erledigt. Niebel nicht nur politisch, auch als Person. Von den FDP-Politikern kommt nur einer in den geheimen diplomatischen Depeschen auffällig gut weg. Er sei ein aufstrebender Star der deutschen Politik, heißt es da. Wer das ist? Einmal darf man raten!
Die Schlinge um seinen Hals zog sich in den letzten Tagen zu. Ein »junger Politiker aus der FDP-Spitze« sei der IM, sickerte aus der US-Botschaft durch. Niebel kann damit nicht gemeint sein. Lindner vielleicht. Aber der Spitzel hat – ein zweites Indiz – an den Koalitionsverhandlungen 2009 teilgenommen, das hat Lindner nicht. An den Koalitionsverhandlungen haben seitens der FDP neun Personen teilgenommen: Westerwelle, Niebel, Solms, Homburger, Brüderle, Pinkwart, Pieper, Leutheusser- Schnarrenberger und ein gewisser Philipp Rösler. Welchen von diesen darf man als »jung« bezeichnen? Den Schriftführer der Koalitionsverhandlungen stellte die FDP.
Der Spitzel soll »entzückt« gewesen sein, dieses Amt übernehmen zu dürfen. Alles, was er aufschrieb, ging als Kopie umgehend in die USA. Hartnäckige Nachfragen von Journalisten bei der FDP, wer in den Koalitionsverhandlungen die Schrift geführt habe, werden ebenso hartnäckig beschwiegen. Das Letzte, was man von Phillip Rösler sah: Wie er feixend von der Regierungsbank aus die Abstimmung zu seiner Gesundheitsreform mit dem Handy filmte. Eine Gaudi! Aber in wessen Auftrag?
Nein, um Philipp Rösler muss man sich keine Sorgen machen. Wie in Parteiapparaten üblich, hat sich bereits ein kleiner, aber der Parteiführung treu ergebener Funktionär gefunden, der auch »gestanden« hat. Metzner heißt er. In zwei, drei Jahren, wenn Gras über die Geschichte gewachsen ist, wird er vielleicht mit einem Posten in der Konrad-Naumann-Stiftung belohnt.

Mathias Wedel

 

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