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Was will Wolfgang Baumann? In diesem EULENSPIEGEL erscheint seine Zeichnung »Stargate 1(3)«. Sie ist bunt und schaut einen fast kindlich an wie ein Comic. Eine grüne Wiese und ein blauer Himmel sind dort zu sehen, ein paar Vögel auf einem Baum und ein sogenanntes »Stargate«.

Obwohl das alles erfunden wirkt: Die Vögel gibt es wirklich, und »Stargate« ist eine Science-Fiction-Serie auf RTL II. Sprechende Vögel gibt es zwar nirgends auf der Welt, aber das fällt unter die künstlerische Freiheit.

Und genau bei dieser Ausrede beginnt das Problem. So scheint die Logik des Geiers auf den ersten Blick bestechend: Das Stargate ist für den Star und nicht für den Geier. »Du musst da rein.« Eine Spalte öffnet sich im Satz des Aasfressers. Unter der Oberfläche raunt es: Müssen, nicht Wollen, nicht Können. Aus der Rassen- wird hier eine Artenfrage, der eine scheint mehr wert als der andere. Stürz du dich ins Unglück, ich ernähre mich von dem, was von dir übrigbleibt. – Diese subtile Logik ist die Methode Baumann. Das sei alles nur ein Spiel, heißt es dann immer. Das sei alles nur Kunst, erklären manche. Doch in diesem semantischen Strudel lenkt die Farbigkeit des Werkes beinahe ab von den alles prägenden Untergangsphantasien.

Das Stargate steht als Tor zu fremden, oft unmenschlichen Planeten am Rand der Welt und am Rand der Vernunft. Weltenschlachten werden dort ausgefochten, es ist ein Experimentierfeld der Phantasien.

Was also will Wolfgang Baumann? Er ist, ganz einfach, der Türsteher der nicht ganz so kohärenten Gedanken. Er ist der Türsteher des Sternentores. An seinem Beispiel kann man sehen, wie zu viel RTL-II-Konsum seinen Weg findet hinein in ostdeutsche Witzblättchen. Ein Skandal!

G. Diez

 

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