Liebe Leserin, lieber Leser,

kürzlich entnahm ich der Tagespresse folgende Anekdote: Ein Autofahrer war auf der A 40 unterwegs, als ihm einige Kinder von einer Brücke aus zuwinkten, um ihn zum Hupen zu veranlassen. Als er dies unterließ, warfen sie ihm einen Stein in die Windschutzscheibe. Inzwischen, so der Artikel weiter, laufe eine Fahndung nach den Kindern. Letzteres aber kann nur eine Ente sein, denn § 18, Abs. 12 StVO sagt bekanntlich ganz klar: Auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen sind Hupgebote durch Minderjährige uneingeschränkt zu befolgen. Zu diesem Zweck ist jederzeit auf Winkzeichen zu achten. Das sollte eigentlich jeder Führerscheinbesitzer wissen!

Wie Sie sicher alle wissen, gab es im letzten Monat ein spannendes Jubiläum: 20 Jahre Tag der offenen Tür im Bundeskanzleramt! Einer der interessantesten Aspekte dieser Veranstaltung ist für mich, dass sie jedes Mal anders ist als im Jahr zuvor, weil sie so stark von den konkreten politischen Umständen beeinflusst wird. Vor zwölf Jahren zum Beispiel wirkte die frisch gebackene Kanzlerin noch sehr schüchtern, hatte Schwierigkeiten, den Besuchern in die Augen zu sehen, und verabschiedete sich schon nach wenigen Minuten zu ihrem Benimmkurs, in dem sie das Essen mit Messer und Gabel lernen sollte. Ein gänzlich anderes Bild bot sich dem beeindruckten Publikum im Jahr 2014: Eine vor Selbstbewusstsein nur so strotzende Angela Merkel fläzte auf einem Afrikanischen Elefanten in einer Sänfte und ließ sich von einem leicht bekleideten Pagen mit Weintrauben füttern. Nur hin und wieder hob sie matt die Hand, um den vorbeidefilierenden Untertanen zu signalisieren, dass sie ihre Huldigungen wahrgenommen hatte. Dieses Jahr wirkte die Lage dagegen angespannt: Am Eingang wurden an die Besucher Stahlhelme und Schutzwesten ausgeteilt, weil Teile des Innenhofs von Heckenschützen der CSU-Landesgruppe unter Beschuss genommen worden waren, die sich im Gebäude gegenüber verschanzt hatten. Die Kanzlerin bekam man diesmal gar nicht zu sehen; gerüchteweise befand sie sich in einem mit Stacheldraht und Sandsäcken abgesperrten Seitenflügel. Schade, aber nächstes Jahr geht es bestimmt wieder entspannter zu. Auf eine ausführliche Zusammenfassung des diesjährigen Geschehens verzichten wir deshalb.

Fast alle Medien gefallen sich gerade darin, auf Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen (AfD) einzuprügeln, weil er in der Bild-Zeitung Verschwörungstheorien verbreitet hat. Dabei werden auch diverse alte Kamellen wieder hervorgeholt, wie zum Beispiel sein rabulistisches Rechtsgutachten im Fall Murat Kurnaz oder seine generelle Neigung zu Falschaussagen. Aber wieder einmal haben meine Kollegen nichts verstanden – dabei ist es doch so offensichtlich. Herr Maaßen leitet einen Geheimdienst. Die Kernkompetenzen einer solchen Organisation sind bekanntlich Tricksen, Tarnen und Täuschen: Wenn die anderen genau das Gegenteil von dem glauben, was tatsächlich der Fall ist, dann hat man seinen Job gut gemacht. Betrachtet man nun unter diesem Gesichtspunkt das öffentliche Erscheinungsbild des Leiters dieser Behörde, so kommt man unweigerlich zu folgender Schlussfolgerung: Hans-Georg Maaßen ist ein integrer, hochkompetenter und grundsympathischer Mensch. Falls Sie das trotzdem noch nicht glauben, erklären wir es Ihnen auf Seite 18 noch einmal ganz langsam.

Mit geheimen Grüßen

xxx
Chefredakteur 

 

 

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