Liebe Leserin, lieber Leser,

was für ein Schock! Über zwei Jahre hat er intensiv ermittelt, sich tief in die Materie eingearbeitet, Hunderte von Experten befragt, intensives Quellenstudium betrieben, geradezu verzweifelt auch noch die kleinste Spur verfolgt – aber jetzt musste unser tüchtiger Generalbundesanwalt die Untersuchungen zum vermeintlichen NSA-Skandal einstellen, weil sich einfach »keine konkreten Hinweise« auf Spionageaktivitäten gefunden haben. Einerseits schade für den wackeren Mann, der in dieser Angelegenheit bis zum Burn-out geschuftet hat. Andererseits und vor allem aber auch eine große Erleichterung, dass nun doch niemand von uns ausspioniert worden ist. Dank unserer unabhängigen Justiz können wir nun alle wieder ruhig schlafen! Jetzt muss sich Angela Merkel nur noch beim amerikanischen Präsidenten für die falsche Verdächtigung entschuldigen, dann ist endgültig alles wieder gut.

Als im Frankreich des 16. Jahrhunderts einige Unruhestifter begannen, den rechten Glauben infrage zu stellen, da reagierte die Staatsmacht vorbildlich souverän, und zwar mit erbarmungsloser Verfolgung der als »Hugenotten« bezeichneten Täter. Weil diese aber nicht nur kriminell, sondern dazu noch ziemlich feige waren, flüchteten sie zu Tausenden ins Ausland – leider auch nach Deutschland. Dort siedelten sie sich unter dem Schutz eines linksgrün versifften Kurfürsten bevorzugt im Raum Berlin-Brandenburg an, wovon sich der dortige Dialekt bis heute nicht vollständig erholt hat.
Immerhin: Nachdem sie nun seit Jahrhunderten nichts als Schaden angerichtet haben, meldet sich bei manchen von ihnen langsam das schlechte Gewissen. Das jedenfalls würde erklären, warum so viele engagierte Einwanderungskritiker wie zum Beispiel Alexander Gauland oder Thomas de Maizière selbst einen Hugenottenhintergrund haben. So viel Selbstkritik verdient selbstverständlich Anerkennung – wirklich konsequent wäre aber meines Erachtens erst die kollektive Selbstrückführung. Ob es dazu wirklich kommen wird, darf nach Lektüre unseres Artikels auf Seite 32 aber bezweifelt werden.

Als Chefredakteur einer einflussreichen Publikation befinde ich mich Monat für Monat in einem Zielkonflikt: Einerseits spüre ich die gesellschaftliche Verantwortung, unserem Bildungsauftrag nachzukommen. Andererseits müssen aber auch die Verkaufszahlen stimmen, und das erreiche ich angesichts unserer – pardon – doch recht einfach gestrickten Leserschaft eher mit leichter Kost. Entsprechend skeptisch war ich denn auch, als in der letzten Redaktionssitzung die Frage aufkam, ob wir anlässlich des diesjährigen Medizin-Nobelpreises nicht mal was zum Thema Chronobiologie machen sollten. Oh je, dachte ich da bei mir: Ein Fremdwort schon in der Überschrift? Und dann wahrscheinlich noch viele weitere im Text? Das hagelt doch wieder Abo-Kündigungen! Aber dann hatte unsere Praktikantin die rettende Idee: »Wir könnten das doch einfach aufmalen!« Aber natürlich! Wieso hatte ich nicht gleich daran gedacht? Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, das hatte doch schon meine Großmutter gewusst! Damit war das Thema gerettet, und das Ergebnis können Sie auf Seite 30 bestaunen.

Mit malerischen Grüßen

xxx
Chefredakteur

 

 

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