Kotzhohle Flachzangen

Die Ausschreitungen des ausländerfeindlichen Pöbels im sächsischen Heidenau hatten im August 2015 den erfreulichen Nebeneffekt einer Belebung der politischen Rhetorik. »Eine ganz eigene Erklärung für die Ereignisse«, berichtete die FAZ, sei von dem Pegida-Anführer Lutz Bachmann präsentiert worden: »Er habe keinen Zweifel, ›dass diese besoffenen, kotzhohlen NPD-Flachzangen vom Staat/Verfassungsschutz geschickt sind, um Stimmung zu machen und zur Eskalation beizutragen‹, schrieb Bachmann auf seiner Facebook-Seite.«

Der verschwörungstheoretische Mumpitz soll uns hier nicht weiter interessieren, sondern nur die Schönheit der beleidigenden Worte. Etwas Prächtigeres als diese Stimmungsmache gegen die »besoffenen, kotzhohlen NPD-Flachzangen« ist deutschen Politikern schon seit Jahrzehnten nicht mehr gelungen oder herausgerutscht. Auf der Suche nach einer ähnlich ausdrucksstarken Schimpftirade muss man bis in die 70er-Jahre zurückgehen. Damals hatte der CSU-Chef Franz Josef Strauß in einer unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehaltenen und kurz darauf vom Spiegel pu - blizierten Rede seinen Erzfeind und Parteifreund Helmut Kohl im besonderen und die »politischen Pygmäen der CDU« im allgemeinen angegriffen, »diese Zwerge im Westentaschenformat, diese Reclamausgabe von Politkern«. Die kotzhohlen NPD-Flachzangen funkeln allerdings noch schärfer. Aber wo kommen diese Kraftausdrücke überhaupt her?

Das Adjektiv »kotzhohl« kursiert nach meinen Ermittlungen bereits seit vielen Jahren in anderen Kreisen als meinen, und das hübsche Schmähwort »Flachzange« hat im Mai 2015 auch der Fußballspieler Marco Hartmann (Dynamo Dresden) nach einem siegreichen Spiel in den Mund genommen: »Ich glaube, dass wir gezeigt haben, dass wir nicht alles Flachzangen sind.« Doch das Wort ist älter. 2011 erschien das von dem bekennenden Zoni Klaus Huhn verfasste Buch »Die Flachzangen aus dem Westen«, und schon 2009 soll der TV-Quatschkopf Oliver Pocher gegenüber einer Dame die mysteriöse und ihm durchaus zuzutrauende Äußerung fallengelassen haben: »Wenn irgendwelche anderen Idioten und Flachzangen auf RTL heiraten wollen und das nicht mal richtig Quote hat, gerne ...«

Das ist alles, was ich als freier Autor zu diesem Thema beitragen kann. Den Rest müssen die Flachzangen in ihren kotzhohlen linguistischen Fakultäten selbst herausfinden.

Gerhard Henschel

 

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