Lebt eigentlich Jürgen Fliege noch?

FliegeDer gute Mensch von nebenan, immer einen Rilke-Vers auf der Stirn … ach! Ja, er lebt noch. Tapfer hält er dem Schicksal stand, hatte er es doch nur gut gemeint, als lästerliche Worte ihm entschlüpften: Kirche und Gott wären scheißegal. Nun hat er eine Art Parteiverfahren an der welken Backe.

Dabei geht’s dem Fliege nur um die Seele. Zahlreiche Angebote hat er für sie parat wie seine legendäre Fliege-Essenz. Ist dieses Gebräu so ekelhaft, wie der Name verspricht? Ein Sud ausgekochten Ungeziefers? Nein! Es ist das Elixier wohlgefälligen Geschwätzes der ehemaligen TV-Laberwurst.

Wer erinnert sich nicht an die unausweichliche Penetranz, mit der der heilige Jürgen ab Mitte der 90er durch die Fernsehlandschaft surrte und mit seiner andächtigen Dauerbestürzung Hausfrauen zum Höhepunkt trieb. 2005 war im Fernsehen Schluss mit lästig. Der Omi-Flüsterer musste sich andere Haufen suchen, um seine Betroffenheit in die Welt hinaus zu weinen.

Also hat die sub soutane Blubberbacke sich aufs Schreiben verlegt und verkündet Wissen von unschätzbarem Ausmaß über die wundersame Kraft eines ganz besonderen Elementes – Wasser. Wasser ist nass. Auch der Eso-Fliege macht heute in Wasser. Bis vor Kurzem vertrieb er sogar sein eigenes heiliges Auwei-Wasser, eben diese Fliege-Essenz, in Sprühflaschen zu je 95 ml für schlappe 39,95 Euro.

Fliege war eines Sonntags dem Bade entstiegen und hatte dieses heilige Nass eigens mit Energien, Quanten, Eigenurin sowie Gebeten aufgeladen und gen Himmel geblickt: »Ich habe über sie (die Fliege-Essenz, Anm. der Red.) gebetet wie über Weihwasser. Ich habe immer wieder meine Hände aufgelegt, um den Trost und die Kraft in die Essenz zu senden.«

Manch Ungläubiger behauptet, Fliege würde die Hände nicht auflegen, sondern aufhalten, und armen Seelen mit billigem Hokuspokus das Geld aus der Tasche labern. Fliege dazu: »Flieges Segen kostet nichts.« Der Segen sei umsonst, nur das Wasser müsse halt bezahlt werden. Und das kann nahezu alles, man muss nur dran glauben.

Jürgen Fliege kann seinen Segen nun selbst gut gebrauchen, jetzt, da die Inquisition hinter ihm her ist. Wenn er sich für seine lästerlichen Reden täglich dreimal den Mund mit Schmierseife auswaschen muss, kann er danach seine wertvolle heilige Essenz auf die Zunge sprühen und »Geld – Zaster – Mammon« ausrufen. Gott sei Dank! Und viel Erfolg, Herr Fliege, beim esoterischen Weltkongress Ende Oktober in Bad Wörishofen.

Anke Behrend

 

Kommentare 

 
#2 Thomas W. Schmidt 2015-04-01 09:09
Seit wann sing` Tote?! Sehta nich, wat Flieje für ´ne Stimme hat?
Lt. Buschfunk-Info der Leidgenossen zwischen Krummer Lanke, Reichstag und Gedächtniskirch e isser neuadings im "Jrudewalda Männajesangsvae in". (Falschname jeändat)
Hier wat vonne Premiere:

Lied vom Menschsein

Ein Mensch wiegt Atome, ein andrer Salbeitee,
einer sticht ins Wespennest, ein andrer in See.
Mancher empfiehlt sich, mancher nicht,
einer ist düster, ein andrer ein Licht.
Einer komponiert ein Stück,
oder Farben mit Geschick.
Einer löst Probleme, einer Zucker im Kaffee.
Einer redet weise, ein andrer Schnee,
einer setzt Prämissen,
ein andrer Narzissen
oder pikiert halt nur
Rüben auf weiter Flur.
Einer klaut des andren Last
und wandert dafür in den Knast.
Einer führt Regie der andre ´nen Hund -
ach, ist das Menschsein bunt!
Zitat
 
 
#1 Harald 2011-11-08 20:26
"Subsoutane Blubberbacke" zeigt ja fast schon "Zipferlak'sche" Züge!
Zitat
 

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