meisterwerkemeisterwerke04-12

Mindestens zweimal im Jahr, wenn die großen Feste Weihnachten und Ostern die Gedankenlosen in ihren Bann schlagen, ist es an den skeptischen Geistern, diese Feste zu hinterfragen. In dieser Tradition – mithin also auch ein aus Vorzeiten übernommenes Tun, das ebenfalls einmal hinterfragt werden sollte – stehend, stellt diese Zeichnung überkommene Riten auf die Probe und nähert sich in ihrer Ausführung doch gleichzeitig dem deutschen Kanon von Naturidylle, Osterbrauchtum und sinnierendem Nager.

Nicht ohne Grund erinnert sie an Rodins Plastik »Der Denker«, in der ein muskulöser Dante Alighieri dargestellt wird. In dieser Variation desselben Themas begegnet uns der Philosoph Herbert Marcuse in Gestalt eines langohrigen Rammlers. Er hat seine Arbeit unterbrochen und sich niedergelassen, um sein Tun, wenn nicht gar seine ganze Existenz zu reflektieren.

Treu zur Seite steht ihm sein Korb voller Eier, während er sich auf der anderen Seite mit »Compluter«, »Fernsen« und einem – obwohl noch in der Verpackung befindlich – aufgebauten Bücherschrank konfrontiert sieht. Eier werden versteckt, diese Gewissheit ist dem Hasen nicht zu nehmen. Doch der abwertend als »Paketkram« bezeichnete Geschenkehaufen stellt sich als Problem dar. Die von der Postmoderne zusammengwürfelten Bräuche hinterlassen den Hasen nachdenklich bis resigniert.

Letztlich bleibt die Hoffnung, dass der Nager seine neue Rolle als Eierverstecker und Geschenkebringer zusammenzuführen und zu transzendieren vermag. Erlösung kann ihm sonst nur der Jäger bringen.

N. Minkmar

 

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