meisterwerke
Meisterwerk

Bis zur Kenntlichkeit entstellt sehen wir in diesem Gemälde US-Präsident Donald Trump und den Siemens-Vorstandsvorsitzenden Josef Käser. Sie haben an einem Tisch Platz genommen, und Käser spricht zu Trump, der aufmerksam sein rechtes Ohr an die Wange gelegt hat. Käser leitet seine Aussage mit dem Wort »Don’y« ein, was für Uneingeweihte wie ein Sprachfehler mit Deppenapostroph klingt, in Managerkreisen jedoch so viel bedeutet wie: »Ja, Servus, lieber POTUS, mein Name ist Sepp Käser, i kumm aus Niederbayern, aber weil ich Super-Manager in einem sich international gebenden Super-Unternehmen bin, schäme ich mich für meinen anrüchigen Käse-Nachnamen, deswegen wäre es mir sehr recht, wenn du Joe zu mir sagen tätest.«

Trump, der eine aufwendige Schönheitsoperation hinter sich hat und deshalb nicht reden kann, hält in seiner linken Hand mit den Fingerspitzen einen Spargel, in seiner Rechten eine fleischfarbene Banane, mit der er den Manager bestechen möchte. Käser hat seine Linke auf den Tisch gelegt, um Spargel und Banane entgegenzunehmen, mit der Rechten krault er sich das Skrotum, was der Künstler taktvoll ausblendet.

Der Rest ist schnell erzählt: Aus dem Schornstein einer Industrie-Anlage steigen grüne Zettel zum Steuerzahler auf, was so viel bedeutet wie: Mit uns können sie es ja machen.

Die Industrie-Anlage, die die Stadt Görlitz symbolisiert (denn denkt man an Görlitz, denkt man unweigerlich an Schwerindustrie), wandert über den Tisch nach Detroit, Michigan. Und in Detroit, man sieht es sofort, wird alles gut werden, denn über der Stadt schwebt ein grauer Ventilator oder was – Symbol für den frischen Wind, den Donald Trump in die US-amerikanische Wirtschaft gebracht hat. Lang lebe Don’y!

H.-W. Sinn

 

 

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