meisterwerkemeister12-13

 

 

Man weiß leider nicht, wie Albrecht Dürer die lächerliche Posse um den Provinzbischof Tebartz-van Elst bildlich dargestellt hätte, doch viel besser als in diesem Werk wäre es ihm sicherlich nicht gelungen. Auch wenn sich die Bildästhetik in der christlichen Kunst seit Dürer signifikant gewandelt hat. Im Zentrum des Bildes und doch im Hintergrund erhebt sich der Limburger Dom, der zum Stein des Anstoßes wurde, weil die endgültigen die eingeplanten Kosten bei der Fertigstellung im Jahre 1235 um ein Vielfaches überstiegen hatten. Monatelang wurde damals landauf, landab über nichts anderes gesprochen – ganz so, als ob es die Leute etwas anginge, wie die Kirche den ihr zustehenden Zehnt ausgibt.

Fast 800 Jahre später geht es in Limburg abermals hoch her. Diesmal ist es der eingangs erwähnte Provinzbischof, der mit einem von seinen Ausmaßen her recht bescheidenen Anbau die Gemüter erhitzt. Den Bischofsstab über den äußerst sympathischen Tebartz-van Elst zu brechen, sollte sich jedoch für alle verbieten, die schon mal irgendwas gebaut haben. Denn sie sollten wissen, dass beim Bau, zumal eines solchen Monumentalwerks, immer irgendwas zu beachten ist: Hier muss dem Ego des Bauherren Rechnung getragen, dort müssen Entrauchungsanlagen vom TÜV geprüft werden usw.

Zum Glück wissen immerhin die hier dargestellten Ochs und Esel als die zwei Weisen aus dem Jesus-Stall, dass nirgends so heiß gewohnt wird, wie gebaut wird. Sie verkünden (dass sie der Sprache mächtig sind, ist ein Weihnachtswunder!): Bald wird die Sache vergessen sein, wenn ihnen wieder ein Säugling in die Futterkrippe gelegt wird und sich die Leute deshalb reich beschenken. Denn dann ist die Zeit der christlichen Vergebung, in der explodierende Kosten keine Rolle spielen sollten, ob in Limburg oder sonst wo.

K. Wowereit

 

 

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