meisterwerkeMeisterwerk

Frei, geheim und noch irgendwas sind die Wahlen in Deutschland, und gleich, was wir wählen, sterben müssen wir alle. – Das ist zusammengefasst die frohe und zugleich niederschmetternde Botschaft dieses Gemäldes.

»Froh« deshalb, weil der Tod auch die Wähler der unsäglichen Linkspartei nicht verschont. »Niederschmetternd«, weil die Linkspartei sich mit ihrer Gleichmacherei letztendlich doch noch durchsetzt. Wie haben wir uns den Wahl-Akt, und ein Akt ist an seinem Ende ja auch immer ein kleiner Tod, vorzustellen? – Der Wähler steckt seinen Zettel mit der Aufschrift »Sie haben 2 Stimmen« in die Urne des verstorbenen Otto Normal. Eine unerhörte Störung der Totenruhe! Genau das ist es, was alle vier Jahre stattfindet. Den Urnen von Silke Super, Bodo Bleifrei und der Brüder Rudolf und Vin Diesel könnte es bald ähnlich ergehen.

Dieser Eingriff in die bestehenden toten Verhältnisse ist dem Wähler sichtlich unangenehm. Der Satz »Jede Stimme zählt« ist ihm allerdings Befehl, weiß er doch, dass dank diverser Überhangmandate das Gesamtergebnis der Wahl massiv verzerrt wird, wodurch eine gehörige Portion Zufall ins Spiel kommt, die das Gewissen des Wählers erleichtert: Er kann nichts dafür, und erst in vier Jahren muss er die Urne des Verstorbenen erneut schänden. Doch stimmt es, dass unsere Stimmen tot sind, wenn wir sie abgeben? Ein Schild auf dem Friedhof zeigt einen möglichen Ausweg aus dem scheinbar Unumstößlichen. »Zum Friedhof« steht darauf geschrieben. Das Schild weist über diesen Friedhof hinaus und auf einen anderen hin und zeigt damit, dass es doch eine Alternative gibt. Bis zum anderen Friedhof, das weiß der Wähler freilich auch, ist es jedoch viel zu weit.

S. Raab

 

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