meisterwerkeMeisterwerk

Auf den ersten Blick mag dieses Gemälde irritieren, und man fragt sich: Was macht diese Frau im Wohnzimmer, wieso ist sie nicht in der Küche? – Doch eine solche Frage fällt auf den Fragenden zurück, ist sie doch Ausdruck eines völlig veralteten Frauenbildes. Eines Frauenbildes, das in der deutschen Realität schon längst überwunden ist, und dort, wo es nicht überwunden ist, überwunden werden muss. Mittlerweile ist es nämlich die Frau, die entscheidet, wann sie in der Küche stehen möchte und wann sie sich nackig macht.

Zwar ecken derart selbstbestimmte Frauen hier und da in der Gesellschaft immer noch mit ihren spitzen oder wie im konkreten Fall: ungeheuer unansehnlichen, geradezu grotesk schiefen Brüsten an, doch die Macht ihrer Dudeln ist ihnen wohl bewusst. Mit ihnen stellen sie sich dem Mann in den Weg und erkämpfen sich ihre Plätze in den Vorstandsetagen genauso wie am Herd. Und das ganz ohne Quote! Doch nicht nur zweckgebundenes Zurschaustellen ihrer Reize zeichnet die moderne Frau aus. Sie hat obendrein Humor, eine ansonsten genuin männliche Eigenschaft. Selbst der Mann muss es zugeben, wenn er sagt: »Du bist witzig«.

Der Mann ist längst nicht mehr das starke Geschlecht, das er früher mal war: »Ich seh doch gar nichts«, muss er sich und ihr seine Behinderung eingestehen. Weshalb es auch schon wieder fraglich ist, ob die Frau in diesem Moment nicht wieder ein wenig über das Ziel hinausschießt. Denn Witze über Blinde zu machen, da hört der Spaß auf. Für beide Geschlechter.

K. Schröder

 

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