meisterwerkeMeisterwerk

Ein einfallsreiches Gemälde, das uns viel zu erzählen hat, gezeichnet in normalem Stil: Zwei Männer und zwei Tiere in einer TV-Produktion. Einer der Männer hat einen schweren Verlust erlitten. Es ist so, wie wenn im 17. oder 18. Jahrhundert einem Kaufmann ein Schiff mit Gewürzen auf dem Weg von Indien nach Bremen untergegangen wäre. 2000 Euro würde ein solcher Mann als Belohnung für die Wiederbeschaffung der Ware aussetzen.

Wie hoch die Belohnung wohl im konkreten Fall ist? Der Verlust jedenfalls ist kaum hoch genug einzuschätzen, handelt es sich bei der Verlustsache doch nicht um Eigentum des Mannes, sondern um Geschenke. Geschenke, die er der Menschheit machen wollte, Geschenke, die nun auf immer verloren sind. Und irgendwo lacht sich ein Dieb ins langfingrige Fäustchen, genießt in aller Stille, was allen zugute hätte kommen sollen.

Es kann doch mal einem älteren Mann passieren, dass er im Suff oder wegen allgemeiner geistiger Umnachtung irgendwo – im Zug beispielsweise – etwas liegen lässt: seinen Hut, einen Sack voller Geschenke, sein Tagebuch, und damit sozusagen sein ganzes Leben. Der Skandal ist vielmehr, dass sich der Finder nicht meldet, sondern stattdessen das Gefundene behält, der Schuft! Und sich der Geschädigte ob seines Schicksals auch noch öffentlich vorführen lassen muss.

Dass er dann unpassende Gegenstände auf dem Tisch des Moderators hinterlässt, muss seiner Verbitterung über die Schlechtigkeit der Welt zugeschrieben werden. Sich damit abfinden kann er nicht, denn das hieße, daran denken zu können, ohne schmerzlich zu bedauern. Bleibt also nur die Hoffnung, dass dieser Fall bald gelöst wird!
M. Walser

 

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