Meisterwerke 09-12

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Die Legende ist bekannt: Damokles, ein Günstling am Hofe des Tyrannen Dionysos, war getrieben von Neid. Er wollte so leben wie der Tyrann selbst. Dionysos gewährte ihm diesen Wunsch, verdeutlichte Damokles aber, unter welchen Gefahren dieses Leben zu haben ist, indem er über dem Platz Damokles’ ein lediglich an einem Rosshaar befestigtes Schwert aufhängen ließ. Damokles war es nicht mehr möglich, den Luxus an der Tafel seines Gönners zu genießen.

Damokles hat seine Lektion gelernt, der Grieche dagegen hat gar nichts verstanden. Er sieht nur: Der Deutsche liegt bei mir immer am Strand und gibt Geld aus. Dass der Deutsche sich dieses Geld und somit das Sonnenbaden hart erarbeitet hat, sieht der Grieche nicht. So legt er sich Seite an Seite mit dem Deutschen in eine Liege, den Blick vom Meer ab- und der hässlichen Hotellandschaft zugewandt. Selbst als die EU das Schwert des Sparens über ihn hängt, beginnt er nicht, darüber nachzudenken, wo all der Luxus herkommt: Im Gegensatz zu Damokles gewöhnt er sich einfach an die Bedrohung – an die Annehmlichkeiten sowieso.

Daneben, nicht im Bild, liegen der Italiener, der Spanier, der Portugiese, der Zyprer und der Malteser. Wer die Cocktails und das Hotel bezahlt, versteht sich für alle von selbst: der deutsche Leistungsträger, der dementsprechend schwarz sieht. Denn ihm scheint als Einzigem bewusst zu sein, dass dieses Schwert irgendwann runterkommen wird. Und einmal dürfen Sie raten, wer dann die Beerdigungskosten übernehmen muss!

H. Göbel

 

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