Schlecht bestellt ...

… ist es um die Talkshows im deutschen Fernsehen. Innerhalb von zwei Wochen wurde ich zu drei verschiedenen Formaten eingeladen – welch ein Armutszeugnis für die Redaktionen! Erst sollte ich zu Maischberger (»Werden wir immer dümmer?«), dann zu Anne Will (»Das Kartell der Stümper – über den Hauptstadtjournalismus«) und einmal zu Plasberg (»Schwanger mit 13!«).

Bei Plasberg sollte ich aber nur was aus dem Publikum rufen. Dazu hat er mich eingeteilt, als er mich bei der redaktionellen Vorbesprechung sah. Ein Mann in seiner Sendung, der ihm überlegen ist (nicht nur rhetorisch, wenn die Bemerkung erlaubt ist) – das kann Plasberg einfach nicht ertragen.

Aber auch zu den beiden anderen bin ich nicht gegangen, denn ich denke nicht daran, mich in Talkshows als Sexsymbol verheizen zu lassen. So wie ich denken neuerdings viele Politiker. Fraktionsübergreifend scheint es ein Komplott zu geben, die Talkshows im Fernsehen auszuhungern.

Selbst Gysi, den man früher hätte anbinden müssen, so freudig lief er ins Studio, hat keine Lust mehr. Bosbach von der CDU, der seinen Arbeitsplatz praktisch auf dem Sofa von Maybrit Illner hatte, nimmt plötzlich am hauptstädtischen Nachtleben teil. Bleibt eigentlich nur noch Hans-Ulrich Jörges vom Stern, der zu allem was zu sagen (bzw. zu brüllen) hat. Aber den will keine Redaktion mehr nehmen, weil die Quoten sofort zusammenbrechen, wenn er erscheint.

Schon muss man Michel Friedman bitten oder Alice Schwarzer oder Jakob Augstein, der liebend gern erscheint, aber jede Runde in die Schlafkrankheit treibt. Wahrscheinlich ist es mit den Talkshows vorbei. Das liegt nicht nur am Personal, sondern auch daran, dass Meinungen überhaupt nicht mehr interessant sind. Meinung hat heutzutage jeder Idiot. Wenn der Euro krachen geht oder ein Weltkrieg ausbricht oder alle Konten über 1000 Euro von Schäuble eingefroren werden – was nützen dann noch Meinungen?

Vermutlich kommt dann der Moment, wo mich Jauch anfragt, ob ich als Special-Guest Anekdoten von meinen Begegnungen mit Angela Merkel erzählen möchte. Auch singen würde ich, z.B. »Gute Nacht, Freunde«. Aber auf solche Ideen müssen die Fernsehfuzzis schon selber kommen.

 

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