Hausmitteilung 04-2011

Liebe Leserin, lieber Leser,

oft und gern wird über den ach so unmenschlichen globalisierten Kapitalismus geschimpft, aber die Fakten sprechen eine andere Sprache. So las ich vor Kurzem über eine vorbildliche Initiative des chinesischen Auftragsherstellers Foxconn. Dort war es im letzten Jahr zu einer rätselhaften Häufung von Suiziden unter den Beschäftigten gekommen. Nachdem eine Selbstverpflichtung der Mitarbeiter, auf derartige Aktionen zu verzichten, nicht zum Erfolg führte, hatte die Firmenleitung eine ebenso ungewöhnliche wie geniale Idee und ließ an den Firmengebäuden sowie den Wohnhäusern der Arbeiter Sicherheitsnetze anbringen. Fürsorglicher geht es doch kaum noch, oder? Aber nur für den Fall, dass die hinterhältigen Beschäftigten versuchen, auch diese Maßnahme zu umgehen, empfehle ich folgende zusätzliche Vorkehrungen:

- Die Arbeiter müssen beim Betreten der Fabrik Gürtel und Schnürsenkel abgeben.
- Die Haartrockner in den Badezimmern bekommen kürzere Kabel, so dass sie nicht mehr bis zur Wanne reichen.
- In den Küchen werden die Gas- durch Elektroherde ersetzt.
- In allen Fabriken wird auf jeder Etage ein Suizid-Simulator aufgestellt, an dem die Arbeiter virtuell Selbstmord verüben können, um sich abzureagieren. Falls Sie eigene Vorschläge haben, dann schicken Sie sie uns bitte – wir leiten sie dann nach China weiter.

Wie Sie sicher auch empört festgestellt haben, läuft derzeit in den Medien eine ekelerregende Neidkampagne gegen den libyschen Revolutionsführer, Oberst Muammar Abu Minyar Klaus Theodor al-Gaddafi. Was sind das nur für Menschen, die diesem weisen Führer seines Volkes so bösartig hinterherreden? Von bewaffneten Aufständen wird da fabuliert, wo doch lediglich begeisterte Anhänger Freudenschüsse abgeben; von Krieg gegen das eigene Volk ist die Rede, wenn seine stolzen Militärjets ihre tollkühnen Formationsflüge (inklusive Bombenabwurfchoreografie) vorführen; und der König der Könige selbst wird gar als »wahnsinnig « bezeichnet, weil die ungebildete Journaille seine gelehrten Ausführungen nicht versteht. Von albernen Gerüchten, z.B. dass er einer alten Dame ihre Gardinen gestohlen habe und sie seitdem am Körper trage, oder dass er vor 40 Jahren bei seiner Diktatorenprüfung abgeschrieben haben soll, ganz zu schweigen. Aber wenn ich ganz ehrlich bin – ein wenig kann ich den Neid seiner Gegner nachvollziehen. Es ist nämlich tatsächlich nicht einfach, einen derart perfekten Menschen zu ertragen: Ein Mann mit so viel Autorität, dass er ohne offiziellen Posten jahrzehntelang regieren kann, ein begnadeter Staatstheoretiker, ein talentierter Poet, eine Stilikone, ein Frauenschwarm und dazu noch ewiger Rekordhalter bei den Beliebtheitswerten im Politbarometer des libyschen Staatsfernsehens – das ist für manche einfach zu viel. Um so wichtiger ist es, dass wir, seine Unterstützer, jetzt fest zusammenstehen und ihm unsere Solidarität zeigen (siehe Seite 23). Hoch soll er leben, und möglichst schmerzhaft soll der Tod seiner Feinde sein, dieser Söhne von Huren und räudigen Hunden! Das wird man ja wohl noch sagen dürfen in Deutschland.

Dass unser schönes deutsches Vaterland stark von Überfremdung und Islamismus bedroht ist, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Leider sind aber nicht viele Menschen so mutig, sich öffentlich gegen diese Entwicklung auszusprechen. Eine der wenigen rühmlichen Ausnahmen ist der Publizist Henryk M. Broder, der seit Jahren mit brillanten Polemiken versucht, den deutschen Widerstand gegen die Bedrohung aus dem Morgenland zu entfachen. In der Auseinandersetzung mit seinen Gegnern spielt er virtuos wie kein zweiter auf der Klaviatur der deutschen Sprache – von der subtilen Spitze (»Arschloch«) über die deftige Satire (»Doppelarschloch«) bis zum vergifteten Kompliment (»Superarschloch«) beherrscht er alle Zwischentöne. Nicht zuletzt köstlichen Bonmots wie diesen verdankt er seine stetig wachsende Fangemeinde, in die ich mich längst eingereiht habe, so wie es auch Sie tun werden, nachdem Sie unsere Huldigung auf Seite 20 gelesen haben.

Mit subtilen Grüßen

xxx
Chefredakteur

 

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