Feel the Fluffy Fladen

Zu Ostern 2017 machte die traditionsreiche Münchner Bäckerei Rischart mit dem Slogan »Feel the Fluffy Fladen« auf sich aufmerksam. »Fluffy« bedeutet so viel wie »flauschig«, »flaumig«, »flockig«, während man unter einem Fladen ein Fladenbrot oder auch Kuhdung verstehen kann. Mit den Worten »Feel the Fluffy Fladen« stellte das Unternehmen Rischart jedenfalls unmissverständlich klar, dass es keinen Schulterschluss mit Deutschlands Anglizismenfeinden bilden wird. Doch die deutsche Sprache wird es überleben, so wie sie auch das berüchtigte Gefasel der Modeschöpferin Jil Sander überlebt hat, die vor nunmehr 21 Jahren im FAZ-Magazin ihr Erfolgsgeheimnis lüftete: »Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, dass man contemporary sein muss, das future-Denken haben muss. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden.

Und für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, dass man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewusste Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch apprecia ten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muss Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils.«

Müsste man sich so etwas den ganzen Tag lang anhören, würden einem zweifellos die Ohren abfallen. Jil Sander wurde damals gehörig verspottet, und zwar zu Recht, während sich gegen das Denglisch der Bäckerei Rischart bislang nur wenig Widerstand regt. Im Forum von dict.leo.org hat ein Verfasser namens Leseratz vermerkt: »›Feel the Fluffy Fladen‹ (sic *schauder*) steht auf einer Reklametafel, an der ich heute vorbeigekommen bin.« In »Bianca’s Blog« heißt es hingegen wörtlich: »In meinem Blut müsste mittlerweile schon Rischart Schnittlauch-Zopfbreze nachweisbar sein und auch das restliche Sortiment inklusive saisonaler bzw. anlassbezogener Köstlichkeiten (Datschi, Krapfen, Petit fours, Lebkuchen oder auch der Osterfladen) wurde schon rauf und runter von mir verkostet. Spätestens, wenn man Werbeslogan wie (aktuell zur Osterzeit) ›Feel the Fluffy Fladen‹ oder ›Lass mich Dein Datschi sein!‹ zur Zwetschgen-Zeit liest, dann muss man eigentlich schon Lust bekommen.«

Nein, muss man nicht. Man muss auch nicht contemporary sein und Osterfladen mit englischen Wörtern combinen. Wenn es allerdings customers gibt, die Rischart deswegen appreciaten, dann, as indicated above, geht auch davon die Welt nicht unter.

Gerhard Henschel

 

---Anzeige---