Lebt eigentlich Ex-Außenminister Fischer noch?
Donnerstag, den 18. November 2010

+aus dem aktuellen Heft+
12-10-lenbt-noch-klJa, er lebt noch – und sogar doppelt! Außer Joschka, dem Kapitalismus-, Polizisten- und Frauenniederwerfer, gibt’s nämlich noch einen anderen: den Oskar Fischer. Der ist jetzt fast neunzig und güldet nicht so richtig, denn er war bloß Außenminister der DDR. Joschka dagegen hielt im Westen das Banner der Freiheit hoch. Falls er nicht gerade mit dem Hochhalten von Pflastersteinen oder der Hand von Madeleine Albright beschäftigt war. Seine Hobbys bestanden im Sammeln von Turnschuhen, Ehefrauen und Ministerposten. Ansonsten aber konzentrierte er sich nur auf Themen von absoluter Wichtigkeit, zum Beispiel auf Joschka Fischer.

Weil er jedoch ein empfindsamer Mensch ist, fiel ihm als Außenminister auf, dass seine Behörde irgendwie an alten Nazis erkrankt war (Hausjargon »Mumien«). Donnerwetter! Der Sachverhalt war zwar nicht neu, denn seit den fünfziger Jahren hatte es immer wieder Bücher und wissenschaftliche Publikationen zu diesem Thema gegeben, aber die güldeten nicht, denn sie stammten ebenfalls aus der DDR. Deshalb ließ Fischer die eigenen Nazis eigens in einer eigenen Studie untersuchen, die jetzt – gerade mal fünf Jahre nach Beginn – schon fertiggestellt wurde. Da steht nun zwar dasselbe drin wie weiland in dem alten DDR-Papyrus, aber trotzdem gibt’s erst jetzt dafür vom Klassenlehrer eine Eins. Wegen des schönen freiheitlichdemokratischen Ausdrucks.

Weniger schön: Die olle DDR-Schimpfe über Nazis in BRD-Behörden ist mit dieser Studie aus Versehen bestätigt worden. Gerade mal drei Prozent betrage die ostdeutsche Fehlerquote, heißt es zähneknirschend. Davon träumt heute mancher Historiker.

Wovon Joschka Fischer träumt, wissen wir hingegen nicht. Wahrscheinlich hat er inzwischen auch alle Träume durch – vom glühenden Weltrevolutionär bis zur eisernen Systemstütze. »Die Gesamtschau ist zutiefst deprimierend«, erklärte er unlängst im ZDF. Das bezog sich zwar auf die Geschichte des Außenamtes, aber jener Mann, der Deutschland wieder in einen Krieg führte, der heute Großindustrielle als Pausenclown unterhält und der jede Kritik als Majestätsbeleidigung auffasst, ein solcher Mann hätte auch sein eigenes Leben kaum präziser auf den Punkt bringen können.

Utz Bamberg

 

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