Immer diese Kims - aus Heft 12/2010

kim il jenniferDer Genosse Kim Jong Il war der fleißigste Samenspender der kommunistischen Hemisphäre

Man kennt sie, die nordkoreanische Sippe der Kims, die seit Menschengedenken regiert, und man kennt sie doch nicht. Denn was weiß man schon, wenn man alles flüchtig Angelesene rekapituliert? Zum gehobenen Halbwissen gehört die Tatsache, dass der gottgleiche Diktator Kim Il Sung von seinem chronisch missgelaunten und gemütskranken Sohn Kim Jong Il beerbt worden ist, der nun wiederum von seinem gut herausgefütterten, militärisch gedrillten und penetrant miesepetrig dreinschauenden Sohn Kim Jong Un beerbt werden soll. Was für ein Name! Doch er passt vorzüglich: Un.

Wenn irgendeinem Staatsmann auf der Welt der Name Un in das Gesicht geschrieben steht, dann ist es Kim Jong Un. Noch unner als Un kann man nicht sein: Mit seinem stechenden Blick, dem satten Backenspeck und einer Gesamtvisage, die den geborenen Unterzeichner summarisch gefällter Todesurteile verrät, gibt Kim Jong Un sich der Öffentlichkeit unfreiwillig als jemand preis, der so gut wie alles ist, was mit un- beginnt: ungehobelt, ungeschlacht, ungeduldig, unsouverän, unbeliebt, unhöflich, ungeil, unbarmherzig und unbeschreiblich oder sogar unaussprechlich uncharmant.

Doch nun macht sich, wie man hört, Kim Jong Uns Halbbruder mausig, ein gewisser Kim Jong Nam, der im Exil seinen Anteil des knapp bemessenen Bruttosozialprodukts der Nordkoreaner verprasst. Es knirscht gewaltig im Gebälk der Dynastie, zumal sich inzwischen auch noch ganz andere, dem Publikum bislang verborgen gebliebene Angehörige in den Kampf um die Thronfolge einmischen. Zu nennen wäre hier an erster Stelle Kim Jong Ulrich, der als Student in Bielefeld auf 34 Semester Soziologie zurückblicken kann und sein Leben einem Fehltritt des Genossen Kim Jong Il bei einer Soirée in Pjöngjang verdankt.

Die Delegation einer ostwestfälischen K-Gruppe war damals mit hohen und höchsten Vertretern der nordkoreanischen Führung zusammengetroffen, und in einer Kaffeepause soll in einem Separée, hinter einem bodentiefen, weinroten Fenstervorhang, Kim Jong Ulrich gezeugt worden sein. Der Vaterschaftstest, den er beim Deutschen Sportbund beantragt hat, wird ihm hoffentlich Klarheit über seine Abstammung verschaffen und auch seine drei Stiefbrüder Kim Jong Uwe, Kim Jong Heinz und Kim Jong Eberhard beruhigen: Sie alle brennen darauf, in Nordkorea zu regieren, obwohl oder gerade weil sie in Deutschland allesamt als Hartz-IVEmpfänger herumkrebsen.

Des Weiteren – so entnehmen wir es dem Bericht eines französischen People-Magazins – rangeln zahlreiche andere Halbgeschwister, Vettern, Cousinen, Onkel, Tanten, Schwiegersöhne, Nichten, Neffen, Schwippschwäger und andere Verwandte miteinander um die Ehre, Nordkorea noch ein bisschen näher an den Abgrund zu führen und dabei möglichst viel Geld herauszuschinden.

Aber der Reihe nach. Wen haben wir denn da so alles?

Kim Il Jennifer: Als Großtante zweiten Grades betreibt sie in Beverley Hills ein Spielcasino und scheidet als Bewerberin um den Posten des Staatsoberhaupts aus, weil sie eine Frau ist und laut Forbes bei einem saudischen Ölprinzen mit ungefähr 2,6 Milliarden Petrodollar in der Kreide steht.

kim jong jangKim Jong Jang: Dieser Ableger führt seine Herkunft auf eine außereheliche Liaison zwischen Kim Il Sungs Großvater mütterlicherseits und Kim Il Sungs Großmutter väterlicherseits zurück und glaubt damit die stärksten Trümpfe in der Hand zu haben. Was gegen ihn spricht, ist die Bescheidenheit seiner militärischen Laufbahn: In den nordkoreanischen Streitkräften hat er es nur bis zur Position eines Gefreiten der Reserve gebracht. Sternzeichen: Steinbock mit Aszendent Waage. Hobbys: Scratchen, Cruisen, Beach-Volleyball und Teppichknüpfen. Knuddel-Faktor: Null.

Kim Jong Strang: Adoptivsohn eines verstorbenen Vetters von Kim Jong Un. Erwarb sich als Polizeichef hohes Ansehen bei der blutigen Befriedung eines Bauerndorfs, in dem ein kleiner Scherz über Kim Jong Ils sprichwörtlichen Mundgeruch die Runde gemacht haben soll. Verheiratet mit einem Maschinengewehr, in zweiter Ehe, nachdem die erste mit der schönen, vom Strand der Insel Lummerland geraubten Prinzessin Li Si von einem Hinrichtungskommando geschieden worden ist. Persönliche Handicaps: Lispeln, Schielen, Hühneraugen.

Kim Jong Ning: Patenonkel von Kim Il Jennifer, Stiefbruder von Kim Jong Jang und zweitgeborener Sohn eines Großonkels von Kim Jong Strang. Träger der Ehrenmedaille des Ordens der Speichellecker. 1996 zum Aufseher eines Arbeitslagers ernannt und zwei Jahre darauf unehrenhaft entlassen, weil er einem Sträfling zugelächelt haben soll. Acht Jahre später öffentliche Rehabilitierung, nachdem ein medizinischer Gutachter zu dem Schluss gekommen war, dass es unmöglich sei, einer Killervisage wie der von Kim Jong Ning ein Lächeln abzuringen.

Kim Nong Hong: Galt lange Zeit als schwarzes Schaf der Familie. Versagte bereits im Kindergarten beim Zielschießen auf Dissidenten, boykottierte die Militärparade zu Ehren der letzten Erektion des greisen Ministerpräsidenten Kim Il Sung und entwickelte sich erst im reiferen Alter zu einer machtgeilen Arschgeige. Hat als globetrottender Klein- und Großwildjäger insgesamt 268 Schneeleoparden und 3 927 Elefantenbullen zur Strecke gebracht sowie 14 869 Rebhühner, 63 580 Kreuzottern, einen Blauwal, 37 Treiber und drei Förster.

Kim Jong Hsü Nag Gho No Hang Si Mong Hanong Ki Wei Lung Ko Na Teng Tiramisu: Urgroßneffe Kim Il Sungs und von 1984 bis 2002 Vorkoster Seiner Majestät Kim Jong Il; besser bekann unter dem Spitznamen »Moppel«. Gebietet über ein Immunsystem, das im Laufe der Zeit gegen alle normalerweise tödlich wirkenden Gifte resistent geworden ist, womit er sich für seinen Job als Vorkoster unfreiwillig disqualifiziert hat. Lauert jetzt als Chefkoch in der thailändischen Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Korea auf seine Chance zur Machtergreifung.

Kim Glang Gong: Kam 1988 in Bonn auf die Welt und wurde standesamtlicherseits mit dem Namen Daniel Schmidt versehen. Geriet durch eine Verwechslung in die Fänge eines nordkoreanischen Ehepaars und wuchs in einem Außenbezirk der Hauptstadt Pjöngjang auf. Sieht leider aus wie Kim Il Sung aus dem Gesicht geschnitten. Bildet sich deshalb ein, dass er eine Reinkarnation von Kim Il Sung sei. Hat als Barkeeper eines vegetarischen Restaurants im Vorratskeller seiner Stiefeltern jedoch keine Hausmacht bilden können und wird dort wahrscheinlich schon sehr bald verdursten, weil er nach einer positiven Aids-Diagnose mit Handschellen an einen Heizkörper gefesselt worden ist.

kim nasi gorengKim Long Dick: Soll sich als Vetter von Kim Jong Hsü Nag Gho No Hang Si Mong Hanong Ki Wei Lung Ko Na Teng Tiramisu in der darbenden nordkoreanischen Pornoindustrie nach ganz oben geschlafen haben; vom Status eines Beleuchters über die Hauptrolle in dem vielfach preisgekrönten semidokumentarischen Schulungsfilm »Der Genosse Kim Il Sung nimmt als Hengst die Dienste der ihn aufs höchste verehrenden Stuten entgegen« bis zur Inauguration als Oberzensor der seither noch erbärmlicher darbenden nordkoreanischen Pornoindustrie. Nach Erkenntnissen der CIA, die von der Fachzeitschrift Penthouse publik gemacht worden sind, ist Kim Long Dick für eine Filmkarriere im freien Westen nicht gut genug bestückt. Man hat ihn mehrmals abgewiesen, und infolgedessen strebt er umso wütender nach der Macht in seinem überkandidelten Zwergstaat.

Und dann wären da noch Kim Nong Hsun, Kim Jong Hang, Kim Hing Mong, Kim Jong Mung, Kim Jong Dingdong, Kim Kong Dingeling Dong, Kim Jong Kim, Kim Jong Junktim, Kim Jing Sing und Kim Song Sung und Simsala Bim Kong King und Hans Küng und Wassily Kandinsky und auch Robbie, Tobbie und das Fliewatüüt. 96 Prozent der Europäer und 87 Prozent der US-Amerikaner würden sich laut Allensbach freuen, wenn sie nie wieder eine Personalie aus Nordkorea zur Kenntnis nehmen müssten. »Denn die da«, so hat es ein Passant in Salzgitter ausgedrückt, »die heißen da ja alle gleich, und die Politik, die die vertreten, ey, da geht’s doch nur um einen auf dicke Hose machen, also von wegen Atomprogramm und so weiter, und da würde ich sagen: Hey! Stop mal jetzt, Leute! Sorry! Nicht mit mir! Ich meine, wir brauchen doch nicht noch ’ne fünfte oder elfte Atommacht, okay? Und schon gar nicht ’ne Atommacht mit so ’ner Hackfresse wie der von Kim Jong Un als Chef! Der würde uns alle doch am liebsten atomar versaften, wenn er dürfte. Aber nicht mit mir!«
Sein Wort in Gottes Ohr.

Gerhard Henschel
Illustrationen: Arno Funke

 

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