Lebt eigentlich Frank Schöbel noch?

SchoebelStern! Außer Nordpol und Südpol hat Schöbel viele unwirtliche Wohngegenden bespaßt. Frankieboy, wie der obenrum Gelockte und untenrum routinierte Schwiegermütter-Verführer von seiner inzwischen überwiegend bettlägerigen Fangemeinde genannt wird, stimmte zur Feier seines Wiegenfestes – er wurde neulich siebzig! – sicherlich wieder seinen Mauerfallsong Wir brauchen keine Lügen mehr an, mit dem er dereinst Mielke, Honecker und Leutnant Pummel zur Kapitulation zwang. Denn auch heute gibt es der Lügen viele! Schöbel ist heute der Stargast aller Lampenläden und ehemaligen Kultur- und Klubhäuser der sozialistischen Werktätigen.

Schöbel war mit einer Hälfte des Publikums stets intim. Dann traten er und die süße Chris lange als schäkerndes Duo auf und zeigten, dass die Ehe im Sozialismus die neckische Grundlage der Familie ist. Als erste und lange einzige Ossi- Stimme durchbrach Schöbel mit Wie ein Stern die unmenschliche Mauer, die von den westdeutschen Schlagerschmieden und Musikproduzenten gebaut worden war, und durfte im Studio B des NDR gastieren. Er ist der einzige Ostdeutsche, der in Ranking-Sendungen des Westfernsehens á la Die schönsten deutschen Schlager überhaupt Erwähnung findet und sich mit Drafi Deutscher und Jürgen Drews um einen vorderen Listenplatz balgen darf. Nur in Frankfurt a.M. will man ihn nicht mehr hören und sehen. Dort sang er zur Eröffnung der WM ’74 den Rasen mit schlechten Schlagern voll. Seitdem kämpft die Eintracht verzweifelt gegen den Abstieg.

Für die Klatschpresse FF Dabei, Tribüne, Armeerundschau und Superillu hat Frank zwar manches Titelbild (gern im Kreise der heilen Familie) abgegeben, aber kaum tolle Storys. Ein paar unangemeldete sexuelle Handlungen da und dort, Verschleiß zweier Ehefrauen (Chris und Aurora), diverse, bis in die Spätpubertät hinein singende, blasende, zupfende Töchter, plus eine Tochter nebenbei – eine magere Lebensbilanz. Bereits vor 15 Jahren hat er sie wacker zu einem autobiografischen Werk aufgeblasen: Frank und frei.

Zu allen Jahreszeiten macht Frank auf Weihnachten. Im MDR-Wahlkreis wird geschunkelt und gesungen und im Finale der Pfefferkuchen- und Stollen-Auswurf präsentiert. Oma gefällt’s. Was bleibt? Nationalpreis der DDR und Goldene Hennen von der Superillu – besser konnte es nicht laufen!

Thomas Behlert

 

Kommentare 

 
#1 Klaus Kittler 2012-12-22 13:12
Dabei hatte er mit "Wir brauchen keine Lügen mehr" eigentlich an seinen Westkollegen Farian bzgl. Milli Vanilli und Boney M. apelliert.
Zitat
 

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