Liebe Leserin, lieber Leser,

Sie haben die kleine Meldung vermutlich kaum wahrgenommen: Ein Richter hat entschieden, dass Politiker in Zukunft veröffentlichen müssen, mit welchen Journalisten sie sich zu Hintergrundgesprächen getroffen haben. Aber was genau sind diese Hintergrundgespräche eigentlich? Nun, es handelt sich um vertrauliche Treffen in kleiner Runde zwischen Topjournalisten und Spitzenpolitikern. Die äußere Form kann variieren: Im Sommer treffen wir uns auf dem Golfplatz, im Winter sitzen wir gern gemütlich am Kamin, und manchmal suchen wir auch einen diskreten Berliner Kellerklub auf, wo wir uns, nur mit Gasmasken bekleidet, gegenseitig auspeitschen. Inhaltlich ist es aber immer das gleiche: Die Politiker verraten den Journalisten ein paar Geheimnisse und bitten augenzwinkernd darum, diese auf gar keinen Fall durchsickern zu lassen. Die Journalisten wiederum versprechen das beim Leben ihrer Mütter, während sie freundlich zurückzwinkern. Dieses Vertrauensverhältnis zwischen Medien und Politik ist meiner Meinung nach einer der Hauptgründe für die langjährige Stabilität unserer Republik. Wer es in Frage stellt, gefährdet das Gemeinwohl. Aus diesem Grund hat mir der Kanzleramtsminister bei unserem letzten Hintergrundgespräch ein paar pikante Details über das Privatleben eines Bundesrichters verraten, die wir in den nächsten Monaten nach und nach veröffentlichen werden. Freuen Sie sich schon mal darauf!

Als ich von den Plänen Donald Trumps hörte, demnächst wieder Astronauten zum Mond zu schicken, überlegte ich eine Weile, was ihn wohl dazu bewogen haben könnte. Ganz sicher bin ich mir immer noch nicht, aber meines Erachtens gibt es zwei Möglichkeiten. Variante 1: Mit Hilfe der Raumfahrt sollen in friedlicher Kooperation mit anderen Nationen bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden, die der gesamten Menschheit dienen werden und uns allen vor Augen führen, was wir gemeinsam erreichen können, wenn wir unabhängig von Rasse, Geschlecht und Nationalität für ein höheres Ziel zusammenarbeiten. Variante 2: Der Mond soll in »Trump Moon« umbenannt, mit Blattgold überzogen und an einen Investor aus Russland oder Alpha Centauri verhökert werden. Was mag wohl wahrscheinlicher sein? Schwer zu sagen. Klar ist aber, dass Sie auf Seite 24 einen Überblick zum neuen amerikanischen Raumfahrtprogramm finden.

Wie Sie vielleicht wissen, wird es dem Bundesamt für Migration demnächst erlaubt sein, im Zuge des Asylverfahrens die Handys von Flüchtlingen zu inspizieren. Falls Sie sich nun fragen, welche Kriterien in diesem Zusammenhang wohl relevant sein mögen, habe ich gute Neuigkeiten für Sie: Wir vom EULENSPIEGEL sind in den Besitz der Checkliste gelangt, die wie folgt aussieht. Besitzt ein Flüchtling ein iPhone, befindet er sich offensichtlich nicht in einer Notlage und wird sofort abgeschoben. Wer ein Samsung-Handy mit sich führt, plant vermutlich einen Sprengstoffanschlag und wird umgehend abgeschoben. Wessen Adressbuch arabische Namen enthält, der gilt als Gefährder und wird abgeschoben. Das gleiche gilt, wenn sich in der Anrufhistorie Telefonnummern mit arabischen Ziffern befinden. Wer gar kein Handy hat, ist offensichtlich ein Armutsflüchtling und wird abgeschoben. Klingt alles recht logisch, meine ich. Weitere Einzelheiten finden Sie auf Seite 30.

Mit neugierigen Grüßen

xxx
Chefredakteur

 

 

---Anzeige---