Liebe Leserin, lieber Leser,

als vor ein paar Monaten das Firmentelefon klingelte und der Anrufer, der sich als Vertreter des irischen Finanzministeriums ausgab, mir mitteilte, er habe einen »interessanten Deal« für mich, glaubte ich zunächst an einen Scherz und legte auf. Doch der Mann blieb hartnäckig und schickte mir nach ein paar weiteren erfolglosen Telefonaten schließlich ein offizielles Schriftstück mit Stempel und allem drum und dran. Das zeigte Wirkung – ich schaute mir die übersandten Unterlagen genauer an und war vom Inhalt recht angetan: Wenn ich meinen Firmensitz von Deutschland nach Irland verlegen würde, hieß es da, könne man mir einen Steuersatz von 0,1 Prozent anbieten, und einen Briefkasten gäbe es gratis dazu. Sie verstehen sicher, dass man als Unternehmer ein solches Angebot, Patriotismus hin oder her, schlecht ablehnen kann. Und tatsächlich war ich auch schon kurz davor zu unterschreiben, als ich aus den Medien erfuhr, dass man mich übers Ohr hauen wollte: Der vermeintlich so günstige Steuersatz war tatsächlich das zwanzigfache von dem, was die Firma Apple in Irland bezahlt. Veralbern kann ich mich allein! Übrigens war ich nicht der Einzige, den diese Betrüger an der Angel hatten – mit dem Betreiber des benachbarten Sonnenstudios haben sie die gleiche Masche abgezogen. Gut, dass man in Brüssel jetzt dagegen vorgeht!

Das Internet ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, doch in letzter Zeit lief es Gefahr, ein Opfer seines eigenen Erfolgs zu werden. Es schien nämlich, als sei die Infrastruktur nicht mit den Anforderungen gewachsen: Langsame Downloads und ruckelnde Videos plagten die Benutzer, und einzelne Provider begannen schon damit, ihre Flatrate-Angebote abzuschaffen. Würde der scheinbar unaufhaltsame Siegeszug des weltweiten Netzes etwa ins Stocken geraten? Doch vor wenigen Wochen löste sich dann plötzlich alles in Wohlgefallen auf. »Nordkorea startet eigenen Streaming-Dienst« hieß es da in den Schlagzeilen, und allen Experten war klar: Jetzt wird alles gut. Denn nicht nur Insider wissen längst, dass Kim Jong-un mit seinem legendären Hunger auf Internet-TV ganz allein ca. 80 Prozent der weltweit verfügbaren Bandbreite verprasst. Sobald der nordkoreanische Service an den Start geht, dürfte sich also die Lage im Rest der Welt schlagartig entscheidend entspannen. Wir bedanken uns herzlich für diese prächtige Idee des Obersten Führers und feiern sie gebührend auf Seite 28.

Viel Aufregung gab es im Sommerloch um die neuen Zivilschutzrichtlinien der Regierung. Von Panikmache und Verunsicherung war die Rede, nur weil empfohlen wird, die Leute sollen ein paar Liter Wasser und Dosenfleisch vorhalten. Dabei ist ein bisschen Vorsorge doch völlig normal, und mich erstaunt eher, dass sich die Regierung genötigt sieht, extra darauf hin zu weisen. Wer informiert ist, weiß eigentlich, was er zu tun hat. Ich zum Beispiel habe schon vor über zwanzig Jahren im Fernsehen eine Dokumentation über Australien gesehen, wo es vor brutalen Banden, die um Wasser und Benzin kämpfen, nur so wimmelt. Lediglich ein ehemaliger Polizist namens Max – an den Nachnamen kann ich mich nicht erinnern, Mad oder so ähnlich – konnte für ein wenig Ordnung sorgen. Und wieso sollte es, Stichpunkt Klimawandel, in ein paar Jahren bei uns nicht ähnlich aussehen? Mein Weinkeller jedenfalls ist randvoll und hat eine meterdicke Eisentür. Darüber hinaus eigentlich unnötige Tipps finden Sie auf Seite 29.

Mit vorsorglichen Grüßen

xxx
Chefredakteur

 

 

 

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