Liebe Leserin, lieber Leser,

wir beim EULENSPIEGEL arbeiten täglich hart daran, unser Produkt zu verbessern. Dabei lassen wir uns gern von Online-Medien inspirieren, die bekanntlich in den letzten Jahren enorme Zuwachsraten aufweisen konnten, während herkömmliche Zeitungen und Zeitschriften stagnieren oder gar mit sinkendem Zuspruch zu kämpfen haben. Um diesem Trend entgegenzuwirken, brauchen wir Innovationen. Deshalb kommen in unserem Heft ab sofort Cookies zum Einsatz. Das sind kleine, in das Papier eingearbeitete Sensoren, die unter anderem Ihre Augenbewegungen und Umblätteraktionen aufzeichnen und zur Optimierung Ihres Leseerlebnisses an uns schicken (sowie gegebenenfalls an unsere Werbepartner; über Details informieren wir Sie auf Anfrage). Der Gesetzgeber verpflichtet uns, dafür Ihr Einverständnis einzuholen. Bitte übersenden Sie uns dieses per Brief oder Fax oder indem Sie vor dem aufgeschlagenen Heft laut und deutlich »ja« sagen. Selbstverständlich können Sie dieses Angebot auch ablehnen. Wir weisen Sie jedoch vorsorglich darauf hin, dass wir Ihnen in diesem Fall nur noch eine Grundversorgung von höchstens zwei Witzen pro Heft anbieten können (gleichmäßig verteilt auf Cartoons und Texte).
Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Ein in den Medien sehr präsenter Politikertyp ist der Innenminister. Kein Wunder, dass wir immer wieder Anfragen junger Leser bekommen, die wissen wollen, wie man denn an diesen coolen Job herankommt. Hier sind ein paar hilfreiche Tipps:
• Falls Sie in einem autoritären, gewaltaffinen Elternhaus aufgewachsen sind, haben Sie fantastische Voraussetzungen. Ebenfalls von großem Vorteil sind voyeuristische Neigungen.
• Möglichst früh mit dem Training anfangen: Schon als Kind täglich vor dem Spiegel üben, ernst und entschlossen zu gucken.
• Sie benötigen ein klares Weltbild: Polizei und Geheimdienste – gut, Bürgerrechtler – Landesverräter, Fußballfans – Randalierer, Ausländer – Terroristen.
• Als sehr hilfreich hat sich ein akkurater Seitenscheitel erwiesen.
Erfüllen Sie all diese Anforderungen, steht der Karriere nichts mehr im Wege. Haben Sie schließlich irgendwann das begehrte Amt ergattert, gilt es noch zusätzliche Techniken zu erlernen, beispielsweise das permanente Geraune über Gefahren und kurz bevorstehende beziehungsweise knapp abgewehrte Anschläge, ohne jemals konkret zu werden. Aber keine Angst, das lernt man mehr oder weniger nebenbei.
Zur Inspiration stellen wir Ihnen auf Seite 20 einen Innenminister persönlich vor. Der Name tut hier nichts zu Sache, denn es gibt praktisch keine Unterschiede zwischen den Vertretern dieser Art.

Aufgrund der allgemeinen Gefahrenlage in unserem Land kommt es beim Thema Waffenbesitz zunehmend zu Diskrepanzen zwischen Theorie und Praxis. So verbietet der Gesetzgeber beispielsweise, einen Teleskopschlagstock bei sich zu führen, während viele Bürger argumentieren, dass man einen solchen benötigt, wenn man regelmäßig abends in der Großstadt unterwegs ist. Das kann ich bestätigen: Seit ich mir so ein Teil zugelegt habe, komme ich beispielsweise jederzeit sehr günstig an das gerade aktuelle iPhone. Weitere Aspekte dieser Debatte diskutieren wir ab Seite 23.

Mit schlagfertigen Grüßen
xxx
Chefredakteur

 

 

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