Auslese
Herr der schlappen Hüte - aus Heft 9/2011

uhrlauklEs war der stärkste Tag in seinem Leben. Die Uhr zeigte den 7. Mai 2008, als in Berlins Mitte in einem feierlich zurechtgebürsteten Staatsakt der mächtigste Grundstein versenkt wurde, den die Erde jemals hat fressen dürfen: Der erste Schritt zum neuen Domizil des Bundesnachrichtendienstes ward mit Tuten und Blasen getan, und Ernst Uhrlau, sein Präsident, freute sich wie ein neugeborener Schneekönig. 720 Millionen frische Euro, 260 000 neue, unbefleckte Quadratmeter für Büros, Labore und weltumzirzende Nachrichtentechnik inklusive der Garderoben für die Trenchcoats und Schlapphüte, 4000 Geheimdienstbeamte, die hier Deutschland vor den langen Augen und gierigen Fingern des Auslands schützen: Beim Gedanken an diese rosige Zukunft rieselten Uhrlau riesige Portionen unbändigen Glücks rauf und runter.

 

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Müssen wir alle sterben? - aus Heft 9/2011

Müssen wir alle sterben?Diese Frage stellten sich in diesen Wochen alle Geldbesitzer. Die erschreckende und einhellige Antwort: wahrscheinlich ja. – Schuld daran sind die Börsen. Denn was in den letzten Wochen dort geschah, ließ selbst alle Fachleute erzittern. Am Morgen war noch alles ruhig, der Dax ging leicht hoch, am Vormittag dann ging der Dax runter, am Mittag ging er wieder ein Stück vor, später aber erneut zurück, um am Nachmittag in den Keller zu gehen, bevor er erst rein und dann raus ging, bis er schließich am Abend gar nicht mehr zu erreichen war und sich von seiner Frau am Telefon verleugnen ließ.

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Die dreisten Drei - aus Heft 9/2011

Die Zahl Drei fasziniert seit jeher die Menschen. Sie ist quasi eine heilige Zahl, was sie von überflüssigen Zahlen wie der 17 oder 0,0841 unterscheidet,die allenfalls zum Abbilden des jährlichen Pro-Kopf-Verbrauches vonArtischockenherzen oder Panflöten zu gebrauchen sind. Die Drei findet sich in der Dreifaltigkeit aus Vater, Sohn und Heiligem Geist, bei der Fee hat man drei Wünsche frei, dem Teufel werden drei goldene Haare ausgerissen,und Schneewittchen würde es mit drei Zwergen getrieben haben, hätte sie nicht Lust auf weitere vier gehabt.

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Held an der unsichtbaren Front - aus Heft 8/2011

jahnDie Stasi-Ausstellung in der Berliner Zimmerstraße ist ein grausiger Ort. Wie brutal hier mit Opfern umgesprungen wird! In olivgrünen Polstern zucken sie auf kleinen Bildschirmen wie komische Stummfilmfiguren. Man soll wohl denken: Ach, so hat die Stasi das gemacht, Regimegegner in Plüsch erstickt! Die Opferlebensläufe haben die Museologen jeweils dazugelegt. Da liest man verblüfft, dass die Toten in diesem schmutzgrünen Mausoleum durchweg am Leben sind. Aber hier sind sie eingesargt und müssen nun wohl ihr Lebtag lang Opfer bleiben.

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Rache, Neid und böse Worte - aus Heft 8/2011

Was will Hannelore Kohl ihrem Mann eigentlich noch alles antun?

Hannelore Kohl

Hat ihn niemand mehr lieb? Gibt es keinen mehr in seiner Partei, der ihn mal von oben bis unten herzt und knuddelt? Von Journalisten, politischen Weggefährten und der eigenen, selbstgeschaffenen Familie bis auf die Haut ausgezogen, muss er öffentlich in Schutt und Asche baden. Vor allem sein Privatleben, von dem zu Amtszeiten kein böser Pieps an die Öffentlichkeit drang, liegt für alle sichtbar am Boden: Die Frau, die ihn vorn und hinten vier Jahrzehnte lang sauber hielt und, ohne je zu murren, seinen privaten Hintergrund brav ausgemalt hat, bläst sich aus purem Egoismus das Lebenslicht weg – und statt es damit gut sein zu lassen, wirft die alte Petze noch Jahre nach dem selbstverschuldeten Tod mit einem finsteren Buch nach ihm, das ihn als kalten Ehemann und eisiges Familienoberhaupt in Grund und Boden zetert.

 

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