Auslese
Die Lady Gaga unter den Fusselrollenbesitzerinnen – aus Heft 7/2012

Annette SchavanWenn Annette Schavan abends das Ministerium für Bildung und Forschung verlässt, dann kann es vorkommen, dass sie wie Knäckebrot krümelt. Kleine selbstgerechte Teilchen fallen von ihr ab und ordnen sich hinter ihrem Rücken in braven Zweierreihen. Die Bildungsministerin selbst lächelt dazu milde in ihren Hosenanzug und plant den kommenden Tag: Büroklammern sortieren, Briefe vorfalzen und mit viel Geduld die Bläschen aus der Luftpolsterfolie drücken. Jede Partei braucht solch eine gewissenhafte Persönlichkeit: Nur langweilig und dröge, das wird Annette Schavan dabei nie.

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Wo der Hund begraben liegt – aus Heft 7/2012

WARUM?Am Vormittag des 24. Mai seilten sich Elitepolizisten der GSG 9 von einem Helikopter ab und stürmten das Anwesen des Hells-Angels-Chefs Frank Hanebüchen unter dem Vorwand, dieser sei in krumme Geschäfte verstrickt und habe einen türkischen Türsteher zuerst foltern und dann einbetonieren und dann noch mal foltern und noch mal einbetonieren lassen. Die vermummte Kommandoeinheit führte sich während der Razzia auf wie die Vandalen, demolierte das Garagentor, verwüstete die Terrasse, knickte frisch geknospte Tulpen um und erschoss dann Hündin Leila. Warum das Tier sterben musste, ist noch immer unklar. Besonders besorgniserregend: Es ist nicht das erste Mal, dass unschuldige Haustiere in die Schusslinie des undurchsichtigen Killertrupps laufen.

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Das Wüten der Elefantenkuh – aus Heft 6/2012

Sascha LoboMaik Eggebrecht ist 36 Jahre alt, und man sieht es auf den ersten Blick: Dieser Mann ist anders. Wenn er täglich durch die Berliner U-Bahn streift, erkennt man ihn schon von Weitem an seinem umgekehrten Irokesenschnitt. Die Mitte des Kopfes ist kahlgeschoren, und über den Ohren hat er sich jeweils drei Haarhörnchen geformt, ganz genau so, wie sie sonst von Straßenpunks getragen werden. Eggebrechts linke Gesichtshälfte ziert ein tätowiertes Spinnennetz und seinen restlichen Körper eine zerschlissene Bomberjacke, Zehn-Loch-Doc-Martens-Stiefel und ein rosafarbenes Tutu. Maik Eggebrecht will erkannt werden als das, was er ist: Der weltgrößte Sascha-Lobo-Fan, Anhänger des unbestrittenen Stars der »Internetpeople (wie wir Internetpeople uns nennen)« (Sascha Lobo).

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Geh da nicht hin, Andrés! – aus Heft 6/2012

Den richtigen Umgang mit einem Land wie der Ukraine zu finden ist schwer. Dass dort unerträgliche Zustände herrschen, bestreitet niemand: Viele Leute sitzen in Unfreiheit in den Gefängnissen, aufgrund einer Änderung der Verfassung müssen alle Einwohner den ganzen Tag lang Schaschlik essen, und nachts wird es dunkel. Solcherlei Missstände anzuprangern ist seit jeher Aufgabe deutscher Fußballspieler. Sie betreten den Rasen auf dem Gebiet einer Nation erst dann, wenn auch der letzte in diesem Land im Gefängnis sitzende Querulant von Nationalmannschaftsarzt Dr. Müller-Wohlfahrt am Sprunggelenk operiert und fit gespritzt wurde.

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Verhunzt und verzwergt – aus Heft 5/2012

BahringTrüb war der Nachmittag im Mai vor 20 Jahren. Der bedeutende Dilettant in preußischer Geschichte, Verwaltungsrecht und patriotischer Maulhelderei, Professor Arnulf Baring, war soeben 60 Jahre alt geworden. Streitbar sei er, hatte es geheißen, ein unbequemer Mahner, die Demokratie wäre wahrlich unklug, würde sie auf einen wie ihn pfeifen.

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