Wir sagen: Pfui! – aus Heft 10/2011


Wird Patricia Riekel die jüngsten Schmutzkampagnen überstehen?

wir sagen: Pfui!Es ist ein Skandal. Viele Jahre lang hat die Herausgeberin der Zeitschrift Bunte, Patricia Riekel, Aufklärung betrieben, Bettgeheimnisse gelüftet und akribisch nachgewiesen, dass auch Prominente an Erektionen leiden.

Das ist People-Journalismus, wie ihn Deutschland braucht. Und man darf wohl sagen, dass Frau Riekel dabei niemals Rücksicht auf ihren eigenen Ruf genommen hat. Vom Branchenmagazin Meedia ist die Bunte-Chefin dafür in den höchsten Tönen gelobt worden: »Entweder waren externe Spitzel mit hochdotierten Aufträgen im Einsatz, oder es wurden teils gewaltige Summen für die Aussagen von Ex-Geliebten bezahlt.«


Doch wie dankt man es Frau Riekel? Mit Handküssen? – O nein. Man dankt es ihr mit Verleumdungen.
Mittlerweile melden sich nahezu stündlich in allen großen Pressehäusern Denunzianten, die es darauf abgesehen haben, an Patricia Riekels Denkmalssockel zu kratzen. Unablässig klingelt auch in der EULENSPIEGEL-Redaktion das Telefon.

»Wer da?« Anrufer: »Mein Name tut nichts zur Sache. Ich wollte nur mal kurz durchgeben, wie diese Riekel …« – »Davon wollen wir gar nichts wissen. « – »Komisch! Weil, da hätt’ ich Ihnen …« – »Interessiert uns nicht.« – »Wie schade.« Aufgelegt.
Nächster Anruf. Irrer: »Is’ da EULENSPIEGEL?« – »Leider ja.« – »Super. Hört ma’ zu, Jungs. Ick will ma die Jeschichte loswerden, wie ick mit der Riekel in der Tanzstunde, nich’ wahr …«

Diese Menschen wollen sich wichtigmachen. Sie riskieren eine dicke Lippe, als Trittbrettfahrer des Zeitgeists, und das ganz allein auf Kosten einer Dame, der ihr Renommee bei Weitem nicht so wichtig ist wie die Wahrheit über die Beischlafgepflogenheiten des Illustriertenadels.

Klingeling. »Verschonen Sie uns bitte mit Ihren Gehässigkeiten über Frau Riekel.« Anrufer: »Wieso Gehässigkeiten? Alles, was ich sagen wollte, ist …« – »Auf Wiederhören. – Dämlack. – Ja bitte?« Nächster Anrufer: »Spreche ich mit dem EULENSPIEGEL?« – »Ja, vorübergehend.« – »Weil, mir ist was Seltsames passiert. Ich hab’ nur zweibis dreimal mit der Riekel …«

Was die Anrufer nicht wissen: Beim Reizwort »Riekel« schaltet sich das Redaktionstelefon inzwischen automatisch aus.
Doch es gibt ja auch noch E-Mails und die gute alte Briefpost: »Hallo! Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Ich bin im Besitz von Dokumenten über die multiplen Organismen von Frau Riekel ...«
Oder: »... bitte ich Sie um die Antwort auf die Frage, ob Ihnen die beiliegenden Fotos von Frau Riekel ...«
Oder: »Werte Redaktion! Gestatten Sie mir, mich persönlich vorzustellen: Ich heiße Werner Mehlinger und bin 77 Jahre alt und von Beruf ursprünglich Schreiner, wobei ich hinzufügen muss, dass ich später in Osnabrück auf EDV umgeschult worden bin. Zur Zeit beziehe ich als alleinstehender Onanist eine geringe Rente. In meinem Leben ist nicht sehr viel vorgefallen, aber einmal eben doch, und das geschah, als ich Patricia Riekel erblickte, in einem kleinen Café in Bad Boll. Von meiner Seite aus kann ich sagen: Es war Liebe. Wenn nicht mehr als das. Es war Magie.

Selbstverständlich akzeptierte ich meinen eigenen Wunsch, diese Phantasien nicht auszuleben. Doch die Träume ließen mich nicht los, und aus der flüchtigen Begegnung entwickelte sich nach und nach ein Liebesrausch. Ich war machtlos dagegen. Völlig ungehemmt erinnerte ich mich immer wieder an meine Gefühle, was sich durch den Ankauf eines Lexikons mit Kosenamen noch verstärkte.

Mir wurde das alles schon bald zu viel, zumal auch Klagen von den Nachbarn kamen über das Geschrei und die zunehmende Unanständigkeit der Ausdrücke. Zur Erholung ging ich zwischendurch gelegentlich in einen stillen Park. Das war jedoch kein ungetrübtes Vergnügen. Sobald ich mich in ein Gebüsch zurückzog und das geliebte Bild hervorholte, um mich daran zu laben, wurde ich von mir völlig fremden Männern umringt und bisweilen sogar verhaftet.

Um zu gesunden, suchte ich eine Paartherapeutin auf, doch die verliebte sich in mich, und damit fingen die Probleme erst an. Ich hatte mir falsche Papiere und einen Job in einer Filiale der Drogerie Schlecker verschafft und mich als Forstgehilfe etabliert. Wir bewohnten ein geräumiges Reihenhaus und wären gut miteinander ausgekommen, wenn Rosie, meine Partnerin, nicht plötzlich ein Verhältnis mit ihrem Hautarzt angefangen hätte. Sie müssen wissen, dass sie schlimme Stellen hat, besonders um die Ellenbogen herum. Als Forstgehilfe konnte ich Rosie nun wirklich nicht viel bieten außer etwa hin und wieder Bucheckern – die habe ich gehäckselt und im Backofen geröstet, und ich weiß noch, wie Rosie sich danach im CinemaXX geschämt hat, als die anderen Leute alle da mit ihren Popcorntüten gesessen haben und wir mittendrin mit unserem stinkenden Eimer voller Waldfrüchte auf dem Schoß – die Bucheckern waren mir leider angebrannt, und den Eimer, das war so eine Dash-Waschmittel-Tonne aus dem Nachlass meiner Großmutter, den hatte ich vielleicht nicht gründlich genug ausgewaschen vorher. Lebensmittelvergiftung. Ein Riesenaufstand!

Im Krankenhaus hat man Rosi den Magen ausgepumpt, und irgendwo auf der Station hat sie sich eine Hautentzündung eingefangen und ist zu dem besagten Hautarzt überwiesen worden, Dr. Moosholz, und mit dem hat sie mich nach Strich und Faden betrogen. Einmal, da war sie angeblich im Thermalbad und kam mit Striemen und blauen Flecken zurück, von den Fesselspielen mit ihrem Liebhaber, und als Ausrede kriegt’ ich zu hören: ›Ich bin in der Dusche ausgerutscht.‹ Das habe ich aber nicht geglaubt. Unter einem Pseudonym hat Rosie mich daraufhin in einem Internetforum als ›Kartoffelkopf‹ bezeichnet, und da habe ich sie in Notwehr in den Keller gesperrt und zerstückelt. Über alledem ist aber meine eigentliche Liebe zu Patricia Riekel nicht erloschen. Ich würde sie hiermit gern zu einem Schlemmer-Wochenende ins Elsass einladen und sie dort nach Strich und Faden verwöhnen ...«

Dazu sagen wir: Pfui. Wer von uns erwartet, dass wir solche Schmähbriefe zur Kenntnis nehmen oder auch nur abdrucken, der täuscht sich sehr.
Wir sagen: HÖRT AUF!
Hört auf mit der Diffamierung der neugierigsten deutschen Journalistin seit Alice Schwarzer. Patricia Riekel – sie lebe hoch!

Gerhard Henschel Zeichnung:
Frank Hoppmann

 

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