Was meint Graf Eucharius Casimir? - aus Heft 7/2011

Noch schöner als Fraueneishockey ohne Bodycheck und mit Gesichtsschutz ist Frauenfußball. Frauenfußball – das eingelöste Versprechen, hier und jetzt, unter unser aller Sonne, dass die Welt ihrer Vervollkommnung entgegenstrebt, dass sich der Homo sapiens zum sanftmütigen, rücksichtsvollen Wesen entwickelt. Frauenfußball ist gelebte Ernst Blochsche Utopie, ist die endgültige und irreparable, Quatsch: irreversible Durchsetzung der Prinzipien der großen Französischen Revolution, ist die Synthese aus kantscher Sittlichkeit und antikisch-neomoderner Grazie, ist, um nicht länger damit hinterm Berg zu halten: einwandfrei tipptopp und bombengerade enorm prima.

Nö, also Frauenfußball? Ach, komm! Mögen beispielsweise im Spiegel (22/2011) solch abgrundtief verächtliche, potthässliche Sätze stehen wie: »Die Damen spielen Manndeckung. Alle Frauen und Mädchen – bundesweit sollen es mehr als eine Million sein, weltweit rund dreißig Millionen – reden Männerfußball, wenn sie Fußball spielen« – so spielen, egal, was sie reden oder über sie geredet wird, bundesweit mehr als eine Million Menschen (Frauen), weltweit rund dreißig Millionen Frauen (Menschen) doch einen Fußball, der fraulicher, unverwürgter, gefühlsbetonter, erquickender ist als das obsolete, überdrehte, vergammelte, zu den Bergkämmen des Harz stinkende viril-virale Pendant, das uns mit seinen immer gleichen Grätschen und Reinwuchter- und Rumpöbeleien geschlechtsparitätisch derart penetrierend-penetrant und perhorreszierend auf die Eier und Eierstöcke geht, dass wir demnächst ausgesprochen gerne Tag für Tag selbst die WM-OK-Chefin Steffi Jones, »die Beckenbauerin« (Spiegel), ihren smarten Seich daherschmarren hören und entzückt dem ganzen glitschigen Gewäsch von der fraulichen Zukunft des Weltfußballs (Blatter etalii Arschgeigen) lauschen und dabei mit Krämpfen zukämpfen haben

…Halt, Moment, Unfug. Nur gar zu unverbesserliche und indolente und grunzidiotische Figuren wie ich, nein, stop!, wie Rudi Assauer, Berti Vogts, Bandito Benedetto 16, Margot Käßmann, Hugh Hefner, die Wildecker Herzbuben und – sehr früh bereits! – Hitler tadeln den fraulichen Umgang mit dem Ball. Detto etwas unmaßgeblichere Zeitgenossen wie ich, Mann! Blödsinn!, wie Barack Obama, Prinz Philip, Graf Eucharius Casimir, Roberto Blanco, Reinhard Stopfel und Leonid Breschnew schütteln die verwirrten Häupter ob des das abendländische Ideal der Helena in die Wiese stampfenden Waschbrettbauches der deutschen Nationalstürmerin Simone Laudehr oder ob der Terminatorstatur der brasilianischen Weltfußballerin mit dem martialischen Namen Marta.

Nein, da muss die Kirche im Stall und die Kuh auf dem Dach bleiben: Harald Braun, der mehrere Bücher über Männerfußball zu verantworten und offenbar nicht mehr alle Murmeln im Kasten …Scheiße! So rum: Harald Braun jauchzt im Telekom-Magazin Entertain (2/2011), Marta könne »mehr mit ihrem Spielgerät anfangen als achtzig Prozent aller männlichen Bundesligaspieler«, selten habe er »so eine brillante Synthese aus Tempo, Technik und Effektivität« gewahrt, und nun freue er sich wie Wuffi auf die Hundewaffel auf die »gemischten Grill- und Fußballhappenings« und »einen netten Anlaß […], schwarz-rot-goldene Fähnchen zu schwenken«.

Und wer darf die Schlaaand-Kotze hinterher wieder wegwischen? Unsere wackeren Frau…, Quatsch!, Müllwerker dürfen. Rüsten wir uns also so oder somit dem auf www.youtube.com/watch?v=2LPIUI_CY44 zu goutierenden Video über ein Damensoccermatch in den USA fürs anstehende Turnier. Rüsten wir uns mit zarten Fausthieben in den Rücken der Gegnerin, mit einer am Haarschopf zu Boden gerissenen Spielerin, mit Tritten in Magengruben, Quergrätschen mit Knöchelquetschungen, Schlägen in weiche Gesichtszüge und etlichen filigranen Fragilitäten mehr – für »Spitzensport auf höchstem Niveau« (Harald Braun, Spitzenmann).

Jürgen Roth

 

Kommentare 

 
#1 wegener beate 2011-06-23 16:29
nach western star r.reagan spielen selbst
film stars wie arnold in der oberliga der politik!
"tu austria, nube!"
was dem cowboys billig und recht ist, sollte
dem terminator auch moeglich sein!
fehlt nur noch die abschaffung der todesstrafe!
s.freud und nietzsche wuerden sich freuen!
Zitat
 

---Anzeige---