China schwillt der Kamm und unsere Kinder haben leere Köpfe - aus Heft 3/2011

mayr»Die Politik des Lächelns von einer Backe zur nächsten ist vorbei«, bringen westliche Diplomaten die veränderte Weltkarte auf den Dreh- und Angelpunkt. Nach 30 Jahren einer unablässig rollenden Modernisierung ist China auf dem Sprung, das Universum an sich zu reißen. Und nicht nur China! Auch Indien, Südkorea, Südafrika, Brasilien und wie all diese asiatischen Länder heißen: Nationen, die ihr Dasein bislang auf den Knien verbrachten, ganze Kontinente, die bisher vom Westen gefüttert wurden, schwellen zu furchterregenden Dimensionen an und wollen das Abendland vorn und hinten überholen.

Während in Peking gewaltige Gebäude errichtet werden, in denen man mit dem Express-Zug von einem Ende zum anderen fahren muss, während in Kuala Lumpur und Taiwan kilometerhohe Türme gebaut werden, auf deren Plattform die Besucher Gott am Sack kitzeln können, stehen in Las Vegas, London und St. Petersburg die Baukräne leer. Symbol oder Symptom? Bald werden Chinas Megacitys größer sein als der Globus, sollen die Erdmassen, die beim Aushub anfallen, seitlich an den Rändern des Planeten aufgeschüttet werden, um Platz für neue Riesenstädte zu gewinnen. In den USA aber stehen immer mehr Städte leer, sind Millionen Amerikaner so arm, dass sie sich nicht mal mehr eine Existenz im Rinnstein leisten können, lebt ein Viertel der Kinder von staatlichen Essensmarken; die Butter, sie zu bestreichen, müssen sie stehlen. Omen oder Menetekel?

In Dubai, einem der größten Zwerge der Welt, sind die Straßen aus purem Gold, wird vor den Toren der Hauptstadt auf gekühltem Sand Ski gefahren, fläzt man sich in den Villen der voll genährten Mittelklasse in Sesseln aus abgesaugtem Frauenfett. Wie verzagt ist dagegen Deutschland, das bis heute die Nordsee nicht trockengelegt hat, um billigen Baugrund zu schaffen, das keine Alpen in Norddeutschland aufschüttet, um für angemessene Wintersportbedingungen zu sorgen! Und Kassandra? Singt den Michel in den Schlaf …

Derweil wird die Welt draußen vor der Tür von Jahr zu Jahr dicker, breiter und schwerer. Noch 1950 war Deutschland der Einwohnerzahl nach die Nummer sechs der Weltrangliste, obwohl der Krieg tiefe Löcher in die Bevölkerung gerissen hatte. Heute können Brasilien, Nigeria und Indonesien, deren Einwohnerzahl uns damals nicht mal bis zum Knie ging, uns auf den Kopf spucken; auch Nationen wie Ägypten, Iran, Vietnam usw. werden bald über die Ufer treten. Hat Deutschland dann noch ausreichend Luft? Oder wird es seine Batterien mit Hunderten Millionen Indern, Chinesen und Schwarzen auffüllen müssen, die obendrein außer sich selbst ihre eigenen Sprachen mitbringen? Was angesichts dieser Aussichten hilft, ist nur eins: kühle Überlegung oder heiße Panik!

Schon werden auf der Erdkugel die Möbel gerückt, wurde die G7 zur G20 hochgeschraubt, um irgendwann zur G200 aufgeblasen und dann wiederum zu einer neuen G7 eingedampft zu werden, in der dann China, Indien, Brasilien, Südkorea, Südafrika, Indonesien und Arabien den Planeten am Schlafittchen haben. Deutschland aber wäre für diese G7 bloß Pustekuchen! Der Westen steht vor dem Abriss. Selbst Afrika, wo mit chinesischer Hilfestellung der schwarze Mann neue Blüten treibt, hat den Kopf voller Optimismus; ebenso wie die arabische Halbkugel, die gerade aus ihrem jahrhundertelangen Tod erwacht. Zu schweigen von China: Sein Ehrgeiz ist groß und wird allenfalls von seinem Fleiß überrundet; und größer als der ist nur sein Ehrgeiz. Schon jetzt produziert das Reich der Mitte nicht nur Turnschuhe, CD-Spieler und ein Fünftel der Weltbevölkerung, sondern hat bereits den schnellsten Supercomputer des ganzen Kosmos konstruiert, groß wie eine deutsche Kleinstadt, nur intelligenter.

Die westliche Wissenschaft und Technik aber wird irgendwann in Nullstellung gehen. Ob implantierbares Internet, ob das automatisierte Klonen ausgestorbener Europäer für die Zoos, um nur zwei von 1,2 Milliarden Hightech-Ideen zu nennen: Der chinesischen Forschung und Wirtschaft gehört die Siegespalme von morgen. Mit gutem Grund: Während Deutschlands Kinder leere Köpfe haben, stopft China seine Jugend wie junge Gänse mit Wissen. Hier herrscht eine andere Luft in der Erziehung als im weich gewordenen Westen. Da mögen den Deutschen beim Anblick ihrer eigenen Zukunft ruhig die Nerven zu Berge stehen!

In dieser Zukunft, die von Tag zu Tag näherkommt, wird das Reich der Mitte zusammen mit seinen Verbündeten bis in die letzte Rundung des Globus für Harmonie sorgen. Schon heute platzt China der Kamm, wenn Japan oder die Philippinen ihren Fuß in ostasiatische Gewässer setzen, die China als sein eigenes Land betrachtet. Gleichzeitig frisst Peking immer mehr Schuldscheine von Amerika und Europa auf und macht sie sich für den Tag X botmäßig. Dann wird niemand mehr einen Mucks wagen, wenn China uns seine Meinung auf die Brust setzt!

In 100 Jahren werden Sie, der Sie diesen Text heute lesen, die Welt nicht wiedererkennen. Militärstützpunkte in Ostfriesland und im Baltikum sichern Chinas Rolle auf dem europäischen Globus. Gegebenenfalls sorgt ein Putsch in Berlin, Paris, Madrid usw. für eine Regierung, die verstaatlichte Firmen an ihre mexikanischen und arabischen Besitzer zurückgibt. In den USA sind im Auftrag der G7 indische Truppen stationiert, um Republikaner und Demokraten daran zu hindern, sich weiterhin die Schädel vom Leib zu pusten.

In den Chefetagen, in der Schule und im Internet spricht man Chinesisch, um nicht als behindert zu gelten. Deutsch wird in chinesischen Schriftzeichen geschrieben, damit es jeder lesen kann. Wer mit der Mode geht, lässt sich Mandelaugen ins Gesicht sägen und einen Mongolenfleck in den Rücken stanzen. Der neue Michael Jackson aus Uganda macht sich mit den Jahren gelb. In der Musik herrscht der Fünfton-Rap, anstelle des Nibelungenlieds oder der Artus-Sagen richten chinesische Mythen die Hirne der Heranwachsenden aus. Der Geburtstag des Riesen Konfuzius wird von der Erde bis zum Mond feierlich begangen.

Europa aber versinkt zur Fußnote, zum Randtext, zur Episode in den Schulbüchern. Am Leben erhalten nur als Altstadt des Globus, malerisch verkommen, aber gern besucht von den Touristen aus China, Indien, Brasilien usw.! Besser, Sie freuen sich schon mal darauf …

Peter Köhler
Zeichnung: Johann Mayr

 

Kommentare 

 
#1 wegener beate 2011-04-06 16:05
h.zuse und der pc von heute,
a.einstein und seine boembchen,
der apfel fiel nach i.newton etwa 9m/sec tief
vom baeumchen!
was wir heute brauchen: mehr humor und weniger
schiessen!
wie waers mit einer schiesser unterhose?
Zitat
 

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