Der Euro – weich, aber ungerecht - aus Heft 2/2011

Am 1. Januar 2011 unserer Zeitrechnung hat Estland, zusammen mit Litauen und Lettland das größte Land des Baltikums, den Euro eingeführt. Damit ist der Euro um ein weiteres Beitrittsland reicher geworden und zählt jetzt 17 Mitglieder, die den Euro eingeführt haben. Euroland, das Land der Euroländer mit dem Euro, verfügt demzufolge über starke 331 Millionen zahlende Mitbürger, während es zuvor ganze 330 Millionen waren, also vor dem Euroanschluss Estlands, dem 17. Euroland innerhalb Eurolands!
02-2011-beck
Für Estland, das machten die estnischen Politiker den Esten sehr klar, gab es zur Alternative des Euro keine Alternative. Eine Staatsverschuldung von kaum wahrnehmbaren 7,5 Prozent und ein mit unbekleidetem Auge fast unsichtbares Haushaltsdefizit von 1,7 Prozentpunkten vom Hundert – das sind staunenswerte Zahlen, die unwiderleglich für diese Zahlen sprechen und Estland neben Luxemburg zum Staat mit
den niedrigsten Zahlen in ganz Euroland machen!

Zwar sind die unübersehbaren Opfer andererseits nicht zu übersehen: Die Renten mussten kürzer gemacht werden und sind nurmehr durchschnittliche 304 Euro dünn, die Arbeitslosigkeit schwimmt auf einer extremen Wasserstandsmarke von 15 Prozent, während die Preise für Konsumgüter und anderes Plastik zuletzt um sechs Prozent angeschwollen sind. Keine Frage: Estland ist als eines der ärmsten Länder der Eurozone das ärmste Land der Eurozone! Selbst gutgewachsene Mittelschichtfamilien leben inzwischen in der Kanalisation, viele Arbeitslose sind gezwungen, sich in diesem Winter vom Abwasser der öffentlichen Befürfnisanstalten wärmen zu lassen, immer mehr Rentner müssen sich voneinander ernähren.

Das ist jedoch nur die eine Seite. Die andere Seite dieser Seite ist der Euro. Mit mittlerweile 17 Eurostaaten, die 331 Millionen zahlende Mitbürger besitzen, ist er ein Symbol Europas und verfügt in Euroland über eine Reserve von 17 Euroländern, die im Falle des Falles den Fall aufhalten zu können imstande sein dürfen sollten. Denn auch das ist seit der 2008 zur Welt gebrachten Weltfinanzkrise wahr wie Kloßbrühe: Das Symbol Europas droht sich zu einem Symptom zuzuspitzen, das Menetekel sich zu Deinem und unser aller Tekel hochzuwuchern!

Schon hängen die ersten Eurostaaten in Euroland am Tropf des Euros, 750 Milliarden misst bereits jetzt der Rettungsschirm von A bis Z.»Wie viel Euro hat der Euro noch in petto?«, fragt man sich besorgt in allen vier Ecken des Globus und stellt sich die Frage, ob der Euro dem Euro zum Schicksal wird. Die Schulden drohen den Euro unter einem Berg von Schulden zu erwürgen, und in der Tat: Viele Omen weisen darauf hin, dass sich die Anzeichen mehren!

Als der Euro 2002 das Licht Europas erblickte, sollte er ein Stück weit ein Stück gelebtes Europa in Euroland werden. Jeder Politiker sagte es und war auch bereit, es zu sagen: Diese Gemeinschaftswährung ist ein Glück für den Euro! Der Euro ist gut für die Wirtschaft, den Wohlstand und den Euro!

Gerade in Deutschland als dem Euroland Nummer 1 sind sich freilich viele und nicht eben wenige bewusst, dass die Einführung des Euro im Jahr 2002 die Abschaffung der Mark und die Einführung des Euro bedeutete. Doch zugleich sind sich nur wenige und weiß Gott nicht viele darüber im Klaren, dass die Abschaffung des Euro die Einführung der Mark bedeutet. Würde die Mark dann so hart wie die Mark, könnte kein Land der Welt die deutschen Exporte in aller Welt finanzieren, und Deutschland würde unter die Radieschen kommen.

Mit anderen Worten, der Euro ist die Grundlage unseres Wohlstands und der Wohlstand die Grundlage des Euro. Das gilt auch und vor allem für Euroland, wo Deutschland die Hausnummer 1 besetzt, und es gilt für Europa, in dem der Euro ein Stück weit ein Stück gelebter Euro sein soll und auch sein kann.

Wie gerufen mehren sich denn auch die Anzeichen, dass die Schulden des Euro den Euro keinesfalls unter einem Sack voll Schulden ersäufen werden. Die bösen Omen können daher zu Hause bleiben, denn selbst wenn der Rettungsschirm von Kopf bis Fuß 750 Milliarden mal schwerer wöge oder sogar wiegt, wird er niemals platzen. Es ist klar wie ein Sack Zement: Mit 17 Euroländern in Euroland und 331 Millionen Milliarden zahlenden Mitbürgern überall in Europa, die im Falle eines Falles den Fall verhindern, hat der Euro genug Sicherheiten, um sicher vor dem Fall des Falles zu sein! Sehr recht tut also Estland, wiewohl es als ärmstes Land der Eurozone zu den eher ärmeren Ländern der Eurozone gehört, den Euro einzuführen.

Jeder im Euroland Estland weiß, dass diese Alternative ohne Alternative ist! Auch Litauen und Lettland, neben Estland die größten baltischen Länder, wollen daher den Euro heiraten und ihm 2014 als Nächste beitreten. Dann wird der Euro um zwei weitere Beitrittsländer reicher geworden sein und 19 Mitglieder zählen, die den Euro eingeführt haben. Damit verfügt Euroland, das Land der Euroländer mit dem Euro, über stolze 336 Millionen zahlende Mitbürger, während es vorher …

Peter Köhler
Zeichnung: Beck

 

Kommentare 

 
#1 wegener beate 2011-03-08 15:02
eulenspiegel ist sein geld wert!
fehlen nur noch die passenden darsteller!
ob obama oder f.castro oder merkel,oder putin
afghanistan und die islamische welt ist nicht aufzuhalten!
ob sprit oder diesel, die welt braucht ausser politischen reformen eine saubere umwelt!
der mensch leidet an seiner hybris, die tiere
kaempfen ums ueberleben!
Zitat
 

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