Schmal ist sie geworden – aus Heft 1/2016

zschpeBald ist es fertig, das »Mensch ärgere dich nicht«-Spiel für Nazis, aus Brotteig, von der vorgeschriebenen Kalorien-Ration abgeknapst. Schmal ist sie geworden, die Beate! Beate Zschäpe hat in ihrer gemütlichen Zelle – zwei ovale Spitzendeckchen und einen Kissenbezug mit dem Aufdruck »Hier ruht der Führer« hat sie aus der Zwickauer Frühlingstraße mitgehen lassen – viel Zeit zum Basteln. In den letzten vier Jahren hatte die passionierte Liebhaberin guter Musik (»Blitzkrieg« und »U2«) Muße, darüber nachzudenken, was wirklich war im Nationalsozialistischen Untergrund.

Beate ist ein großer Spielefan. Ihr »Pogromly«, also das Monopoly, wo es ins KZ statt ins Gefängnis geht und man TNT statt Theater kaufen kann, beeindruckte die Ermittler, als sie 1998 die ebenfalls liebevoll dekorierte Zschäpe-Butze in Jena hochnahmen. Die Machete und das Gewehr, das man damals fand, waren noch kein Grund zur Panik, so was hängt in Thüringen in jedem zweiten Jugendzimmer rum.

Beate beschreibt sich als ein ruhiges, ja »liebes Mädel«. »Nicht debil«, wie sie nachdrücklich versichert, obwohl sie so lustig gucken konnte. Sie sehnte sich nach Liebe und einem Papa. Stattdessen gab’s Pioniernachmittage und eine Negerpuppe. Das sagt sie nur so – nicht etwa, weil sie auf Milde hofft angesichts der Repressionen der DDR, denen sie ausgesetzt war.

Nur die Oma, die meinte es gut mit dem Mädchen, ihre »rumänische Promenadenmischung«, wie sie Beate liebevoll nannte. Sie erlaubte der Kleinen alles. Sie durfte ihre kahlen Kumpels mitbringen, auch wenn die oft laut waren und mit ihren rechten Armen herumfuchtelten, dass im Vertiko die Sammeltassen zitterten. »Bea« musste auch nie abwaschen, weil direkt aus der Dose gefuttert wurde. Und wenn die Beate nachts mit Fidschiblut auf ihrem Lieblingsfledermauspulli heimkam, da nahm Oma die Wurzelbürste und half mit altdeutschen Hausmittelchen. War das der Fehler, hätte das kleine Fräulein »etwas mehr Struktur« gebraucht, wie der psychologische Gutachter meinte?

Eigentlich wollte sie Gemüse anbauen, was mit den Händen machen, nützlich sein. Warum daraus nichts geworden ist – dafür hat sie ihre eigene Legende: Angeblich wachsen in Thüringen nur saure Gurken, und Gurkenernte geht enorm auf den Rücken. »Unfair!«, ruft sie noch heute, wenn sie an diese Zeit zurückdenkt. Fairness und Gerechtigkeit – das bedeutet ihr viel. Die Tschechen und Polen auf den Gemüsefeldern im Thüringer Becken – »ungerecht!«. Denn sie, der Lehrling, die Deutsche, wurde zum Unkrautzupfen abgestellt. Da beschloss sie, »umzusatteln« und Nazi-Luder zu werden, hier kamen Freude am Beruf, der Wunsch, Gutes zu tun, und Talent zusammen.

Beate wurde eine gefragte »Matratze« (Szene-Jargon) für weltanschaulich motivierte Kerle mit wutgestählten Körpern, die – im Unterschied zu den »Zecken« (Linken), die damals durch Jena hopsten – saubere deutsche Umgangsformen hatten. Ihre wilde Dauerwelle und ihre stummeligen Vorderzähne kamen gut an im Milieu. »Granate Beate« wurde sie genannt, und wer sie gebrauchte, blieb auch gern zum Essen. Beate mischte nämlich nicht nur die besten Nagelbomben zusammen, sie konnte auch Rostbrätl grillen.

Jedenfalls lernte Beate alles, was eine gute »Nazibraut « können sollte. Noch heute könnte sie ein Hakenkreuz mit der heißen Nähnadel stechen, eine Fähigkeit, von der sie hofft, dass sie ihr in späteren Haftjahren nützen könnte. Aber war sie jemals wirklich glücklich, unbeschwert, lebensfroh, wie all die hübschen jungen Dinger, die zwischen Altenburg und Eisenach unter demokratischen Vorzeichen aufwachsen? Nein, sie wollte nicht länger nur »die Gruppenficke« sein (das Wort kommt ihr völlig arglos von den Lippen), sie wollte auch was zu sagen haben.

Da kaufte sie sich zwei Katzen, die in Neulobeda aus einem Wurf überzählig waren, aus Mitleid mit der Kreatur. Die Lilly und die Heidi, ihr ganzer Stolz. Die waren nicht so »blöd«, so kompliziert, wie die Uwes (besonders der eine), die es kaum schafften, das Loch vom Klo zu treffen. Die Lilly war so sauber, behauptet Zschäpe in einer Einlassung gegenüber ihren Anwälten, als sie noch mit ihnen sprach, dass sie ihr Katzenklo selbst reinigte.

Beate sagt traurig – und da erlebt man diese junge, selbstbewusste Frau auch von ihrer weichen Seite –, dass es ihr besonders weh tut, dass die Lilly sie verraten hat und bei einem neuen Besitzer einfach weiterlebt, während Uwe und Uwe und Heidi nicht im Traum an Verrat gedacht haben. Von dem alten Zusammenhalt ist auch nicht mehr viel geblieben. Seit sich die beiden Uwes in alle Himmelsrichtungen verteilt haben, sind »Dilettanten und Dorftrottel« am Werk, die gewissermaßen in Heimarbeit Asylantenheime anstecken.

In ihrer fröhlichen WG habe es eine klare Arbeitsteilung gegeben, behauptet die Beklagte. Sie habe lediglich die Mordanschläge ausgedacht, mehr habe sie mit der Tätigkeit, die die Uwes ausübten, gar nicht zu tun gehabt. Uwe brachte den Müll runter, und Uwe wusch die Strumpfmasken aus. Dass die Jungs das Wohnmobil in die Luft gejagt haben, kann Beate ihnen nicht verzeihen – dahin der Traum vom Urlaub in den Karpaten, nachdem die Serie abgeschlossen sein würde. Ja, sie gibt zu, die Explosion in der Frühlingstraße sei ihr passiert (eine Unachtsamkeit beim Hantieren mit Chemikalien). Aber wer hat noch nie einen dummen Fehler gemacht?

Der Mann vom Verfassungsschutz lud sie regelmäßig zum Chinesen ein. Das war immer lustig. Der hat alles bezahlt, und sie hat »wie blöd gefressen «. Der Typ war wahrscheinlich scharf auf sie, irgendwie immer in ihrer Nähe. Es schaudert sie ein wenig, wenn sie daran zurückdenkt – Stalker: »einfach eklig«.

Von den Medien wird sie »völlig falsch dargestellt«. Man wolle den Menschen hinter der Mörderin sehen, das verstehe sie natürlich. Es gibt ein Theaterstück, einen Hip-Hop-Song und eine Doku über sie. Sogar ein Film soll in Arbeit sein. Anna Maria Mühe als Beate – »eine Frechheit, dieses Milchgesicht«. Dass sie kein Mitspracherecht am Set haben wird – »unfair und ungerecht«. Dass man im Prozess versucht, ihr »Motive« für die Bluttaten nachzuweisen, kann sie nur wundern.

Bösartig, verroht, brutal und aggressiv zu sein – reicht das etwa nicht? Aber eigentlich hat sie keine Zeit, sich mit solchen Nebensächlichkeiten zu beschäftigen, denn das Brot-Spiel muss noch fertig werden, und außerdem denkt sie über ein Angebot des Playboy nach.

Felice von Senkbeil
Zeichnung: Frank Hoppmann

 

Kommentare 

 
#3 Georg W. 2016-01-25 21:38
Was soll das sein?
Möchtegernsatir e?

Nach entsprechender Recherche würde jeder Affe einen besseren Beitrag schreiben.
Vorschlag: Zitieren oder verarbeiten Sie doch mal ein paar Aussagen von BKA-Beamten in diesem Fall.

Da wird´s nämlich wirklich lustig...

Das hier ist, trotz des Schreibstils, der mir hier als einziges gefällt, nur billig.

Ganz unterste Schublade...
Zitat
 
 
#2 Ignaz Wrobel 2016-01-08 10:14
wenn man sich ein bisschen mit den Akten beschäftigt hätte, wär vielleicht eine wirkliche Satire bei rausgekommen. DAS hier ist nur peinlich.
Vielleicht über Sie noch ein bisschen. Vorschlag: Henriette Reker hätte mal eine Armlänge Abstand halten sollen, damals...
Zitat
 
 
#1 ganster rap 2016-01-01 14:13
klarer Fall, schwere Jugend. Wie halt in Schlaegerszene und Braunsumpf ueblich. Schuld sind die Oper, iss doch klar.

Guter Artikel fand ich. Wenn sie Artikelschreibe r suchen, lassen Sie es mich bitte wissen. Sie geben das Thema vot, ich schreibe einen Testartikel.

Gruesse und schoenes, erfolgreiches 2016!
Zitat
 

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