Restriktionsendonuklease im Endstadium – aus Heft 10/2015

Schon lange ist bekannt, dass Gene sich nicht nur durch zufällige Mutationen ändern, sondern auch aktiv von der Umwelt in ihrer Funktion beeinflusst werden können. Der Fachmann spricht hier von Epigenetik. Sie bestimmt, welche Gene ein- bzw. ausgeschaltet werden. Das gilt auch für den Menschen, dessen Genom sich verändert, je nachdem ob er im Sozialismus oder Kapitalismus aufwächst. Sein Hauptaugenmerk legt der Biologe deshalb seit Jahren auf den gebürtigen Ostdeutschen. Das ist nicht weiter verwunderlich. Wie auch die unter Genetikern sehr beliebte Fruchtfliege (Drosophila melanogaster) stellt der gebürtige Ostdeutsche wenig Ansprüche an seine Umwelt: Hier ein bisschen Grießbrei, da ein wenig »Goldene Henne« und schon können mehrere Generationen innerhalb weniger Wochen gezüchtet werden.

Imprinting, Gen-Silencing, Histonmodifikation, Restriktionsendonuklease und RNA-Polymerase sind in diesem Fall sehr aufschlussreiche Begriffe aus der Wikipedia. Es handelt sich dabei wahrscheinlich um wissenschaftliche Methoden, die vor der Wende so gut wie gar nicht bekannt und praktisch nicht vorhanden waren, weder hüben noch drüben. Man hatte ja nix. Die Wende also – so viel steht einwandfrei fest –, sie war gut für den wissenschaftlichen Fortschritt.
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Seit die Technik dafür vorhanden ist, sucht man im ost- wie westdeutschen Genmaterial nach den Unterschieden: dem sogenannten Demokratie- Gen, nach Denunziations-Sequenzen und Anzeichen für Intelligenz im Allgemeinen. Die Ergebnisse bisher: Pustekuchen! Lediglich südkoreanische Wissenschaftler kamen zu einem eindeutigen Ergebnis: Der Deutsche, egal ob Ossi oder Wessi, ist eine dumme, kleinkarierte Verbrechersau, ohne die die Menschheit besser dran wäre. Deutsche Wissenschaftler haben zwar umgehend eine Studie mit gegenteiligem Ergebnis vorgelegt, doch die aktuell noch laufende Doppelblindstudie scheint die These der Koreaner zu stützen.

Deutlich aufschlussreicher und weniger umstritten ist in diesem Zusammenhang die Zwillingsforschung. Als Beispiel seien hier Anton Schmitz und Udo Schmitz genannt, ein eineiiger Zwilling aus dem bayerischen Pressig. Eines Morgens im August 1961 unternahm deren Mutter Gisela Schmitz mit dem damals zweijährigen Udo (Schmitz) einen Spaziergang ins benachbarte Föritz in Thüringen. Anton Schmitz blieb aufgrund einer Erkältung bei seinem Vater Alfred (Schmitz geborener Hundsfott). Als sich Gisela Schmitz ein paar Stunden später auf den Heimweg machte, war die Grenze dicht, und sie war mit ihrem Sohn Udo Schmitz eingesperrt. Keine Frage: eine riesengroße Spezialscheiße! Doch irgendwie ging’s, und bereits Stunden nach der Wiedervereinigung stellten sich die Brüder Schmitz der Wissenschaft zur Verfügung. Überraschenderweise unterscheiden sich die beiden bis heute kaum: Udo ist Bademeister und trainiert in seiner Freizeit eine Mädchen-Volleyball-Mannschaft. Anton ist Sportlehrer und der Polizei einschlägig bekannt. Viel interessanter dagegen: Vater Alfred entdeckte nach der Trennung in den 60ern seine Leidenschaft fürs Backen, gilt auf dem Patentamt als Erfinder des Weltmeisterbrötchens und ist dementsprechend Multimilliardär, während Mutter Gisela einen hochrangigen SED-Funktionär ehelichte und mit unermüdlichem Engagement die zweitgrößte Sammlung von überfahrenen Eichhörnchen in Südostthüringen anlegte. Typisch also: Reichtum und Größenwahn im Westen, Parteiquatsch und unmögliche Hobbys im Osten.

Angolanische Wissenschaftler haben allerdings in der Zwischenzeit herausgefunden: Wer 25 Jahre nach der Wiedervereinigung mehr über dieses an Langeweile nicht armen Themas erfahren möchte, hat offenbar massive Komplexe oder einfach sonst nichts besseres zu tun. Näheres entnehmen Sie bitte der Tagespresse um den 3. Oktober herum.

Gregor Füller

 

Kommentare 

 
#1 el Patron 2015-10-10 07:18
Roadkill als Hobby ist nicht schlecht, nur, sind die Eichhörnchen da drüben tatsächlich überfahren worden oder in den Schlaglöchern ersoffen?
Zitat
 

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