Schweinsleder ist tabu, Zweitfrau aber möglich – aus Heft 09-2015

Selbstlos und solidarisch unterstützen deutsche Polizei-Beamte ihre Kollegen im Ausland, wenn es um Massenmord und Menschenrechtsverletzungen geht und Lehrvideos (Tatort, Aktenzeichen XY, CSI Görlitz) nicht mehr reichen.

Türkei
Die türkische Regierung ist um ihr Bild in den Medien besorgt. Und das ist meistens mies. Kein Wunder, die Einsatzkräfte haben in ihrer orientalischen Tradition eine ganz veraltete Schlag-Technik, bei der es dauernd zu offenen Brüchen und schrecklich klaffenden und später lang eiternden Wunden kommt. Beim Genozid an den Armeniern mag das noch hinzunehmen gewesen sein. Aber Wunden sind heutzutage unter PR-Aspekt ganz übel, besonders auf Facebook und Youtube!

Deutsche Experten haben ihren Kollegen am Bosporus gezeigt, wie man so zuschlägt, dass nur innere Verletzungen entstehen. Was man von außen nicht sieht, können Journalisten von außen auch nicht fotografieren oder abfilmen.
Türkische Beamte der schnellen Eingreiftruppe haben auch Angst, sich beim körperlichen Zurechtweisen von Schwulen mit Aids anzustecken.

Nicht ganz unberechtigt. Auch hier gilt: Blut vermeiden, offene Körperöffnungen nur mit Hilfsmitteln (Schlagstock) berühren. Auch das Tränengas wurde modernisiert. Die Türken hatten noch irakische Restbestände! Die deutschen Beamten haben ihnen das Neueste empfohlen: Löst Sonnenbrillen auf, färbt schwarze Kleidung knallgelb und führt bei häufigem Einatmen zu einer Sehnsucht nach Recht und Ordnung auf Grundlage des Grundgesetzes. Die Zusammenarbeit mit den Türken ist aber keine Einbahnstraße, sondern ein Geben und Nehmen. In der Entbürokratisierung sind sie voraus: Zum Beispiel benutzen sie keine Formulare, wenn es um Drogen- Beschlagnahmungen geht – so geht Entbürokratisierung! Und Schweinsleder bei Ausrüstungsgegenständen wird in Deutschland bald auch nicht mehr verwendet, aus Rücksicht auf die muslimischen Polizisten.

USA
Die Cops wollten unbedingt wissen, wie man es schafft, bei Verkehrskontrollen nie jemanden zu erschießen. Dabei ist die Lösung ganz einfach und hat bei den Cops viel Gelächter ausgelöst: Mit so ’ner Pistole würden in den USA nicht einmal durchgeknallte Teenies ihre Schule aufmischen.

Bei der Kooperation mit den Amerikanern weiß man nicht genau, wer mehr dazu lernt, der deutsche Polizist oder der amerikanische. Denn in den USA ist vieles anders, vor allem die Neger. Großartig ist das Predictive Policing! Wenn die Software voraussagt, dass um 19 Uhr ein Crystal-Meth-Dealer vor einem Supermarkt steht, fahren die schon los, nehmen ihn fest und erschießen ihn, noch bevor er eine Pumpgun ziehen könnte. So einfach kann man Leben retten. In manchen Fällen stellt sich allerdings heraus, dass er gar keine Waffe dabei hat. In solchen Situationen ist ein enger Zusammenhalt zwischen allen beteiligten Kräften (Aussageverhalten!) besonders wichtig.

Sudan
Im Sudan sind viele der Rekruten minderjährig, gehen aber cool mit automatischen Waffen um, ein riesiger Vorzug für die Verwendung in lokalen Milizen.
Die Sudanesen danken das deutsche Engagement, ständig bekommt man Geldgeschenke, sogar mal ein paar kleinere Diamanten, in Ausnahmefällen auch die Erstgeborene – es ist fast wie zu Hause! Toll auch die Arbeitszeiten für die deutschen Ausbilder – wegen der Hitze macht die Wache meist nur für drei Stunden am Tag auf. Manche der deutschen Beamten überlegen sogar, im Sudan zu bleiben, weil man sich eine Zweitfrau nehmen kann und nicht so lange Schichten hat wie auf dem Revier in Klein Bademeusel.

Afghanistan
Hier darf man vor allem nicht zulassen, dass nach einem Machtvakuum fremde Kräfte ihr verdrehtes Rechtssystem in einem Krisengebiet durchsetzen – deshalb sind die Deutschen immer schon vorher da! Mit ihrem rechtsstaatlichen Hintergrund können sie hier viel Gutes bewirken. Zum Beispiel einen Plan zum Fegen der Wachstube oder zum Abwaschen der Essnäpfe aufzustellen, ist ein zutiefst demokratischer Vorgang. Das kennen die Afghani nicht.

Es kommt auch vor, dass junge einheimische Polizisten auf dem Gemüsemarkt übergriffig werden, wenn sie Verpflegung requirieren oder Gebühren für den Schutz der Händler eintreiben. Da sagen die deutschen Fachleute ganz klar: Bei uns in Deutschland gibt es hohe rechtliche Hürden zu überwinden, bevor ein Querulant überhaupt körperlich berührt werden darf. Wenn die Afghanen sie dann auch auslachen, haben die Deutschen doch das gute Gefühl, hier am Hindukusch deutsche Grundwerte zu verteidigen.

Island
Zehn deutsche Profiler waren kürzlich zu einer Tagung mit dem Titel »Verbrechen – was nun?« geladen, an der sämtliche Polizisten Islands teilnahmen. Der Anlass war dramatisch: Zum ersten Mal seit 150 Jahren war in Island ein Raubüberfall verübt worden. Der Täter hatte die erbeutete Nietzsche-Gesamtausgabe in zwölf Bänden bereits wieder zurückgebracht und sich für seine Tat entschuldigt – die Isländer wussten einfach nicht, was sie tun sollten. Die Deutschen schlugen eine Haftstrafe vor, doch die Gefängniszelle war größer als die Wohnung des Täters und hatte schnelleres W-LAN.

Hier zeigte sich, dass deutsche Ausbilder auch immer den erzieherischen Aspekt im Umgang mit Gewalttätern im Auge haben: Der Mann hatte zwar Migrationshintergrund (norwegische Mutter), zeigte sich trotz seines Gewaltpotentials aber reuig. Die deutschen bildeten ihn zum ersten Bereitschaftspolizisten Islands aus.

Heute patrouilliert er vor Björks Haus, um sie vor Fans zu schützen, die sie an der Aufnahme neuer Alben hindern wollen, und hat einige erfolgreiche Naturlyrik-Bände herausgebracht.

Erik Wenk

 

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